Kontraste

Brücke vor dem Dromedaris, Enkhuizen
Brücke vor dem Dromedaris, Enkhuizen

Es war bestes Wetter vorhergesagt. Also Samstagmorgen früh raus und los. Der Wind war mit 4-6 Bft heftig, aber in guter Richtung für einmal über das Ijsselmeer nach Enkhuizen vorhergesagt. Gegen kurz vor neun näherten wir uns der Princessmargrietsluis. Perfektes timing -die Schleuse war auf, die Brücke ging sofort hoch und 10 Minuten später waren wir durch. Absoluter Rekord. Dann nahm ein völlig verrückter Tag seinen Lauf. Hinter der Schleuse wollte ich zum Segelklarieren den Lazybag leicht hochziehen. Ein Ruck und die steuerbordseitige Führungsleine war gerissen und aus der Führung ca 2 Meter oberhalb der Saling gefallen. Mist. Aber das war nicht zu ändern, also das Groß hoch und erstes Reff belassen. Obere 3 Bft liegt bei uns die Reffgrenze. Die Böen waren heftig, also das Vorsegel nur 50% ausgerollt. Über 5 kn zeigte das GPS vom Plotter. Nicht viel Welle, aktives Segeln, Herz, was willst du mehr. Die nächsten 2 Stunden ein ständiges Wechselspiel, bis das volle Groß und volle Vorsegel nicht mehr 2 kn schafften. Wo war der Wind geblieben? Das letzte Viertel also motort, 13.45 Uhr waren wir im Außenhafen fest gemacht, kaum ein Platz belegt. Das sollte sich bis abends ändern, da waren dann die üblichen Päckchen Standard, an uns schmiegte sich eine Midget 26.

Strahlender Sonnenschein wärmte Haut und Seele. Aber es half nichts: Der erste Gang führte zu Joostens Wassersportladen am Compagnieshafen -ein Bootsmannstuhl musste her, um die Lazybagführungsleine zu erneuern. Zu meinem Erstaunen gab es sogar drei zur Auswahl. Zurück zum Boot und erst einmal das Ruderfall erneuert - das war dort, wo es in der Klemme sitzt, um es in abgesenktem Zustand zu halten, vom Mantel her völlig zerfetzt. Leine hatte ich in 6mm schon besorgt, 20 Minuten später war dieses Thema erledigt.

Also den Bootsmannstuhl ausgepackt und überlegt. Mich hochwinschen zu lassen war mir zu riskant. Also die Großschot vom Baum gelöst, das obere Ende an dem Großfall befestigt, das untere Ende an einem kurzen Stropp, der vor meinem Bauch am Bootsmannstuhl befestigt war. Durch die Umlenkungen sollte ich mich leicht selbst hochziehen können. Die Länge der voll ausgezogenen Großschot reicht zwar nicht ganz so hoch, wie ich wollte, aber das sollte kein Problem sein. Also rauf auf den Baum gestellt und das Großfall soweit möglich durchsetzen lassen. Da ich sehr vorsichtig  veranlagt bin, was Höhen betrifft, noch ein Seil um den Mast gelegt, damit ich nicht weit wegschwingen kann. Dann der Test mit der linken Hand: Es klappte! Zuschauer hatten wir mittlerweile auch genug, aber 15 Minuten später war es geschafft: Das vorbereitete Seil war durch die Führungsöse am Mast gezogen, an der Lazybagleine davor verknotet, das gerissene Seil abgeschnitten. Und das Wichtigste: Ich wieder heil unten! Das war das erste Mal, dass ich einen Mast hochgegangen bin. Schneller als Mastlegen, wofür auch gar kein Platz gewesen wäre. 

Es war 18.45 Uhr -schnell zur alten Räucherei, die um 19 Uhr die Küche schließt. Dort noch mit die besten Kibbelinge am Ijsselmeer gegessen -immer ein echter Frischegenuß. Mit einem Eis ging es gemütlich zum Boot zurück, die notwendigen Restarbeiten erledigen. Damit beide Führungsleinen gleich lang sind musste noch ein Auge am Ende eingespleißt werde. Alles bestens. Ich warf einen zufriedenen Blick auf das geschaffte Werk, machte dabei eine ungeschickte Bewegung, um ein Werkzeug aufzunehmen, mein Oberarm stieß gegen meine Brille, schob diese vom Kopf und gemäß Murphy über Bord. Brillen schwimmen nicht, auch keine hochwertigen Gleitsichtbrillen...

Was soll ich dazu sagen? Ja, ich hatte schon oft über ein Brillenbändsel nachgedacht. Das Versäumnis kam mich jetzt teuer zu stehen. 

Dann fiel auch noch der angesagte Wind am Sonntag komplett aus. Aber dank Autopilot haben wir so auf der Rückfahrt gemütlich gefrühstückt und den Kampf der Sonne durch den diesigen Vormittag genossen. Ein Wochenende voller Pech und Erfolge liegt hinter uns. Die Freude auf das nächste Wochenende vor uns. 

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