Ankern im Mondschein

Freitagabend war Jahrhundertereignis angesagt: Der Mars sollte sich zwischen Erde und Mond schieben -Mondfinsternis mit rotem Mondschein. Also raus aus dem Wagen, alles ins Boot gepackt und kurz nach 21 Uhr ab zur Schleuse Richtung Ijsselmeer. Rechts dahinter gibt es einen Sandstand, der sehr schön zum Ankern ist und rundum freie Sicht bietet. Wir hatten noch nie nachts vor Anker übernachtet, also eine perfekte Gelegenheit. 

An der Schleuse angekommen kam uns ein Berufsschiff aus dieser entgegen - perfekt, so hatten wir keine Wartezeit zum Ausschleusen. Es war eine exklusive Schleuse -wir alleine in der großen Princessmargrietsluis. Mit gutem Resttageslicht dann die ca 1000 m zum Ankerplatz motort erwarteten uns schon vier Segelboote. Da wir wenig Tiefgang haben, legten wir uns etwas mehr zum Land hin, Wassertiefe angezeigt ca. 1,4 m -das sollte reichen. 12 kg Anker, 5 m Kette und ca. 4 mm Bleileine sollte ausreichen, um auch die für die Nacht vorher gesagte Böen mit 5 Bft abzufedern. Also alles fertig gemacht, gemütlich zu Abend gegessen und den Eintritt der Dunkelheit abgewartet. Es war ein milder Abend mit nicht zu viel Wind. Allerdings zeigte sich auch hier wieder eine Besonderheit unseres Schwertbootes. Während alle anderen Boote stabil im Wind lagen, drehten wir ununterbrochen enorme Schwojkreise. Blöd, wenn man fotografieren oder gar filmen will. Auch Ruder und Schwert heruntergelassen half nicht. 

Dann war er da: Der blutrote Mond. Wie aus dem Nichts. Ein bewegender Anblick, ohne dass sich das wirklich erklären lässt. Eine perfekte Ruhe umgab uns und wir genossen jede Sekunde dieses für uns einmaligen Schauspiels. Langsam, ganz langsam zog der Mars zur Seite davon und gab den Mond in grelle Schein wieder frei. Die Nacht, die Ankerlichter der anderen Segelboote, die blinkende Windrotorenreihe nach Urk, der Sandstand nicht weit von uns -eine wirklich ergreifende Szenerie. 

Irgendwann war es dann vorbei und wir sanken in den Schlaf. Bis mich ein kräftiger Wind aus selbem riß. Sofort Hose und Shirt an und raus zur Ankerkontrolle. Der Wind hatte um gut 150° gedreht und die Bö hatte sicherlich die angekündigten 5 Bft. Wir lagen deutlich näher am Sandstand, aber die anderen Boote hatten sich auch gedreht. Eine Hand an der Ankerleine -alles stramm. Zurück im Cockpit ein paar prüfende Blicke. Alles wohl in Ordnung. Bis wir plötzlich nicht mehr schwojten. Fest. Sofort Motor an und der Versuch nach vorne zu fahren. Vergeblich. Der Motor stirbt sofort ab. Steckten wir mit dem Motor schon im Sand? 3 Uhr. Also Badehose an und übers offene Heck ins Wasser. Nicht einmal knietief, offensichtlich reichte ein flacher Strandausläufer weit hinaus. Also wieder raus, das Ruder waagerecht fest gesetzt. Der Motor lief im Leerlauf, der Wind pausierte kurz. Wieder ins Wasser. Kein Problem, das Boot ein wenig nach vorne zu schieben. Schon 2-3 m später reichte das Wasser bis fast zur Badehose. Ein kurzer Zuruf an meine Partnerin und sie legt den Vorwärtsgang ein. Langsam schiebt sich die Boundless ins tiefere Wasser. Super, so ein offenes Heck. Ohne große Eile in drei Schritten an Deck, die Halteleine für das Ruder los gerissen, damit es tiefer absinken kann. Den Fallenstopper für das Schwert gelöst und ab zum Bug. Mit den Füßen im Ankerkasten sitzt es sich perfekt an Deck. Der Anker ist schnell eingeholt. Was für eine Aktion! 

Da ich keine Lust habe, im Dunkeln den Anker noch einmal einzugraben und der Wartesteiger vor der Schleuse windgeschützt liegt, fahren wir diesen an. Spannend in der Dunkelheit den unbeleuchteten Steiger richtig anzusteuern. Zum Glück lässt sich schnell anhand der roten Ampel ausmachen, wohin man muss, und der Plotter leistet wertvolle Hilfe, sich bis dahin im Fahrwasser zu halten. 

Festgemacht ist schnell und so lassen wir uns deutlich erschöpft von der Anspannung wieder ins Bett fallen. Was für ein Erlebnis. 

Der Rest vom Wochenende war unspektakulär. Samstag waren viele Schauer angesagt und eingetreten, so entspannten wir. Dazu ein wenig Bootsputzen, ein paar kleinere Arbeiten und viel Genuß. Und wieder das Gefühl von Urlaub.

Kurz vor der Dunkelheit...
Kurz vor der Dunkelheit...
...dieselbe Szene kurz darauf
...dieselbe Szene kurz darauf

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