Tall ship race Harlingen

Schon wieder nur Wind aus Nord? Kein Problem. Alle Jahre wieder gibt es eine Rundfahrt von Großseglern, großteils historisch, die heute als Schulschiffe genutzt werden. Und die waren am letzten Wochenende in Harlingen. Zu weit mit dem Boot, und mit dem Auto hatte ich keine Lust. Also auf: Freitag abend 21 Uhr am Boot angekommen, 21.15 Uhr ab zur Schleuse. Mit Glück direkt durch und los geht die Nachtfahrt Richtung Makkum. Makkum liegt direkt vor dem Abschlussdeich am Ostufer. Der Plan: Nach Makkum segeln, nach Harlingen mit dem Fahrrad. So ist man unabhängig von der Tide und muss im überfüllten Harlingen nicht noch einen Liegeplatz suchen. Das wäre alles zeitlich gar nicht möglich gewesen. 

Aber Makkum sind 30 sm, das geht. Aber nur mit Nachtfahrt. Die belohnt uns mit sanften 2-3 Bft, die uns bis zum Vrouwezand vor Stavoren segeln lassen - mit Motorunterstützung, damit wir nicht zu lange unterwegs sind. Der Autopilot lenkt uns zuverlässig und wir genießen das Abendbrot im Abendrot. Kein Wölkchen am Himmel und kurz vor Mitternacht ein Spektakel, das wir zu Hause nicht haben: Die Milchstraße zeigt sich uns mit Millionen von Sternen. Dazu das leise Rauschen von Wasser und Wind. Ein purer Genuss, der uns die Zeit vergessen lässt. Über eine Stunde dürfen wir das genießen, bevor Wolken aufziehen und das Schauspiel beenden. Aufmerksam geht der Blick zwischen Plotter und Dunkelheit hin und her, um unbeleuchtete Tonnen nicht zu überfahren und im Versuch einer Orientierung an denen, die leuchten oder blinken. Solche Nachtfahrten sind stets sehr lehrreich. 

Als wir gegen halb vier in Makkum ankommen ist es zum Glück fast windstill. Langsam und leise suchen wir die Liegeplätze ab und finden eine für uns perfekte Lücke. Müde und zufrieden fallen wir ins Bett. 

Gegen acht Uhr treibt uns dann die Sonne aus selbigem. Was für ein toller Tag liegt vor uns. Gegen viertel vor elf radeln wir los. 14 km, davon mehr als die Hälfte vor dem Deich auf der Waddenzeeseite liegen vor uns. Vorbei an Möwen, Kormoranen und einer Kolonie Austernfischer sind wir bei angenehmem Wind und strahlendem Sonnenschein nach genau einer Stunde in Harlingen. Dort herrscht Ausnahmezustand und Volksfest. So intensiv, dass für den zentralen Bereich sogar ein Fahrradverbot erlassen wurde! Ein Großseglern reiht sich an den nächsten. Herausgeputzt, viele zu besichtigen, jedenfalls auf einem Rundweg an Deck, was wir auf der Alexander von Humboldt II auch ausnutzen. Unfassbar, was hier an Schiffen liegt. Auch aus Indien und Afrika sind Großseglern eingelaufen. 

Wir genießen den Tag bei strahlendem Sonnenschein, Gaumengenüssen und einer tollen Kulisse. Es fühlt sich an, wie mitten im Urlaub. 

Gegen 17 Uhr sind wir wieder zurück am Schiff. Ich baue noch schnell die neue Innenverkleidung ein, die ich unter der Woche aus Holz vorbereitet habe, bevor wir ein paar Kibbelinge essen gehen und den Abend genüßlich ausklingen lassen. Morgens um vier müssen wir nämlich raus, weil wir besuchsbedingt früher nach Hause müssen. So legen wir um 4.15 Uhr ab und segeln dieses Mal in den Tag hinein. Jetzt ist de Wind aus Nord zwar richtig, sorgt aber für extreme Schaukelei, weil von hinten kommend. Aber irgendetwas ist ja immer. Erst kurz vor der Schleuse zurück zeigen sich ein paar Schiffe. Jetzt ist es auch wieder heiß und wir sind für den mittlerweile nur noch leichten Nordwind dankbar. 

So ist auch dieses Wochenende eines, das uns lange positiv begleiten wird. 

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