Einmal mehr: Abenteuer

Alter Hafen Stavoren
Alter Hafen Stavoren

Die Wettervorhersage für die Nacht auf Samstag für Lemmer war super: 1-2 Bft aus West, später Süd, und erst am Samstagvormittag auf 3-5 Bft auffrischend. Also raus, wieder an den Strand am Ijsselmeer, direkt hinter der Schleuse. Gegen 21 Uhr wieder einmal alleine ausgeschleust - super Service der Holländer! Dann den Anker fallen gelassen, rückwärts gezogen -hält nicht. Kein Problem, zweiter Versuch. Hält nicht. Hmmm, Sandboden ist doch eigentlich bester Ankergrund, also dritter Versuch. Hält nicht. Es dunkelte langsam. Also Anker auf den Schoß genommen. Komisch, Kobra-Anker, 12 kg, eigentlich völlig überdimensioniert für unser Boot mit knapp 2,5 t. Aber was ist das? Schaft und Flunken bewegen sich unterschiedlich. Löcher in selbigen. Ein Verdacht kommt auf. Kurzer Gang unter Deck, lange 8er Schraube, zwei Unterlegscheiben, eine selbstsichernde Mutter. Verbindung Schaft zu Flunken hergestellt durch die vorhandenen Löcher. Ausgeworfen. Rückwärtsfahrt. Hält sofort, bombensicher. Peinlich... Aber Hauptsache hält. 

Dann ein zufriedener Blick rundum. Was ist das am Horizont? Tatsächlich sehen wir ein Feuerwerk, das aus Enkhuizen auf der anderen Seite des Ijsselmeeres stammen muss. Wunderschöne 10 Minuten lang genießen wir ein farbiges Schauspiel in klein. Eine nette Geste des Schicksals. 

Dann nimmt der Wind zu. Immer öfter meldet sich die Ankerapp, aber das Boot hängt sicher am Anker. Immer mehr Wind, und die Bootsbewegungen lassen schlafen in der Bugkabine nicht wirklich zu. Die Wellen können Anlauf über das gesamte Ijsselmeer nehmen, bevor sie uns malträtieren. Die Schaumkronen sehe ich selbst in der Dunkelheit. Das sind gute 4 Bft. Also brechen wir auch heute wieder gegen kurz nach drei Uhr morgens ab und legen uns vor die Schleuse. Ein kurzer Fluch auf die Wettervorhersage und dann fallen wir in den Schlaf. 

Am nächsten Vormittag waren 3-5 Bft angesagt. Sonst ist es immer weniger, jetzt war es der obere Rand. Was solls, im zweiten Reff geht es raus aufs Ijsselmeer und auf Richtung Stavoren. Ein heißer Ritt genau an der Windkante beginnt. Über eine Stunde ein toller Ritt. Nicht schnell, aber kraftvoll. Dann dreht der Wind leicht und wir müssen immer mehr den Motor zur Hilfe nehmen, weil die Windrichtung kreuzen für uns nicht zuläßt und das Vogelschutzgebiet einen besseren Winkel nicht zulässt. Die letzten zwei Stunden sind eher ungemütlich, teils mit der steilen Ijsselmeerwelle gegenan. Der Segler mit Zeit hat immer den richtigen Wind. Aber wir haben ein Ziel und keine Zeit, also durch. 

Gegen eins sind wir in Stavoren. Hier wartet die nächste Überraschung: Alles voll, nur drei Liegeplätze sind noch frei, die für uns in Betracht kommen. Dafür geschützt durch einen Baumreihe gönnen wir uns erst einmal Frühstück und dann eine Mütze Schlaf. Die Sonne scheint längere Phasen, den Wind sehen wir nur über die Baumwipfel. Perfekte Erholung. 

Dann ein wenig Basteln und es ist schon Abend. Wir probieren am alten Hafen ein nettes Restaurant aus, eine gute Wahl. Ich gönne mir ausnahmsweise zwei Hauptgerichte parallel: Einen Speckpfannekuchen und einen großen Salat. Lecker. 

Als wir uns gegen 22 Uhr schlafen legen wollen, spricht uns der Holländer neben uns an. Ob wir wüssten, dass gleich der Schwimmer der 11 Stehen-Tour bei uns vorbei schwimmt? Eigentlich schwimmen mehrere Extremisten die 200 km, aber wegen Blaualgen haben alle abgesagt. Nur ein ehemaliger holländischer Olympiaschwimmsieger will die Tour als einzige als Promotiontour für eine gute Sache schwimmen. Dann machen rundherum fast alle Boote ihre Navibeleuchtung an. Wir schließen uns an. Als gegen 22.30 Uhr der Schwimmer mit vier Begleitbooten kommt, erwarten ihn lautes Hupen und Klatschen. Wir sehen zwischen den Booten kurz zwei Arme. Aber die Volksfeststimmung ist beeindruckend. Selbst wenn das Spektakel nach ca. 2 Minuten vorbei ist. Wieder einmal zeigt sich Friesland von seiner vielfältigen Seite. 

Heute dann der Rückflug. Bei gut 5 Bft, fast direkt von hinten, fliegen wir unter Vollzug praktisch binnen dahin. Weitestgehend mit über 5 kn, zweimal bis 6,4 kn. Schöner geht nicht. Es ist warm, aber bewölkt. Es sind kaum Boote unterwegs, erst auf dem Heegermeer häuft sich der Anblick. Für die Ferienzeit und Wochenende viel zu wenig, aber das ist uns egal. Je freier, desto entspannter. Erst am Princess-Magriet-Kanal ist der Spass vorbei. Dann heißt es noch eineinhalb Stunden gegenan motoren. Jeder Spass hat halt seinen Preis... 

Damit liegt wieder ein ereignisreiches Wochenende hinter uns, das uns viele bleibende Erinnerungen beschert hat. 

Warten suf den Elfstedentourschwimmer
Warten suf den Elfstedentourschwimmer
Supermarkt mit Liegeplätzen in Stavoren
Supermarkt mit Liegeplätzen in Stavoren

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