Zum ersten Mal: Dippen

Joure
Joure

Es sollte kalt werden. Und verregnet. Und stürmisch. Und es wurde kalt, verregnet und stürmisch. Aber auch wieder erlebnisreich und erholsam. Samstagmorgen endete der letzte Schauer gegen 8.30 Uhr. Wegen der Windrichtung blieben wir binnen. Beim letzten Mal hatte ein Wegweiser kurz nördlich des Brekkens unser Interesse geweckt: Idskenhuizen. Ca. 1 sm vom Fahrwasser des Princess-Margriet-Kanal ostwärts entfernt. Also auf, hoch die Segel und den Brekken hoch gesegelt. Am Beginn des Koevordermeeres  rechts ab. Die Wassertiefe sollte laut Karte bis 1,3 m abnehmen. Als vorsorglich Segel reduziert und langsam in den Zufahrtskanal. Herrschaftliche Villen säumen rechts die Zufahrt. Perfekte Lage im Grünen. Dann ein mittelgroßer Hafen mit Recreatiecentrum. Idskenhuizen ist nicht mehr als dieser Hafen mit Segelschule und Ferienwohnungen, neben den Häusern der Einheimischen. Sehr pitturesk, wie fast immer in Friesland. Schön, einmal hier gewesen zu sein. Ein nettes Fleckchen, aber Wiederholung ist nicht nötig. 

Also zurück. Wir wollten über Langweer nach Joure, wo ein Shanty-Festival sein sollte. Die Brücke vom Langweerer Meer nach Joure hat 11,5 m Höhe, wir 10,6 m plus 1 m Antenne. Für mich zu riskant, so durchzufahren. Aber dafür habe ich ja die Bügel für die Mastlegevorrichtung angebaut. Damit man für solche Fälle einfach und gefahrlos den Mast dippen kann, also etwas legen/kippen. Dann die erste Überraschung. Zu Beginn des Langweerer Meeres ist eine bewegliche Brücke. Ich funke und bitte um Öffnung, weil sie fernbedient wird. Dann die Antwort: Brücke ist defekt, zur Zeit keine Öffnung! 

Also wieder zurück und mit großem Umweg weiter. Dunkle Wolken ziehen über uns. Hin und wieder kurzer Sprüh, aber kein Regen. Ich reffe laufend, der Wind ist bei gut 4-5 Bft plus Böen. Heftig, aber das aussegeln ist toll. Diese Facetten gehören zum genußvollen Segeln dazu. Zwischendurch liefern wir uns eine kleine Regatta mit einer Fox, 5,5 m, die uns unter Vollzug erst auf dem kurvigen Kanal davon läuft, als wir kurz Geschwindigkeit raus nehmen, um auszureffen.

200m vor dem Yachthafen im Herzen von Joure öffnet der Himmel auf einmal seine Schleusentore, in Kürze sind wir kletschnass, ohne uns schützen zu können. Fast perfekt angelegt wirft uns dann eine Bö gegen ein Nachbarboot -unsere Füße verhindern Schäden. Der Vorteil eines leichten Bootes. Fünf Minuten später ist alles vorbei. Na super. 

Das Shanty-Festival wird überall beworben - nur vorgefunden haben wir nichts. Trotz richtiger Zeit. Was solls. Joure ist auch so sehr schön und der Italiener kocht vorzüglich, so dass der Abend gerettet ist. 

Nachts ist es kalt, sehr kalt. Morgens um 7 Uhr ein  letzter kurzer Schauer, dann überrascht uns blauer Himmel, über den die Wolken stürmisch hinwegrennen. Die Sonne versteckt sich nur selten hinter den Wolken und es ist bestes Segelwetter, jedenfalls für den, der viel Wind mag. Noch im Hafen lösen wir den Bolzen der Mastlegevorrichtung, heute werden wir es von der anderen Seite probieren. In langsamer Anfahrt lassen wir den Mast vorsichtig kippen, bis der V-Bügel, an dem das Vorstag ist, ca. 50 cm angehoben ist. Das muss reichen. Und es reicht. Mit kritischem Blick gleiten wir langsam unter der Brücke hindurch. Die Antenne berührt sie nicht. Aber jede Menge Schleifspuren sind zu erkennen. Eine Minute später steht der Mast wieder sicher und segelbereit - alles während der Fahrt ohne anzulegen. Die Arbeit für die Mastlegebügel hat sich gelohnt. Kein Knirschen der Unterwantenbefestigungen im Deck. Alles vermittelt viel Vertrauen. Die Wanten mussten nicht gelockert werden - alles perfekt. 

Der Rest war wunderschönes Segeln hart an der Windkante. Auf dem Brekken kreuzen wir. So macht Segeln Freude. Unser Liegeplatz ist windgeschützt, hier lassen wir den Nachmittag bei einem Sonnenbad ausklingen. Dafür fahren wir nach Holland. 

Holländer lieben es exklusiv - Zufahrt nach Joure
Holländer lieben es exklusiv - Zufahrt nach Joure
Idskenhuizen
Idskenhuizen

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