Wintersegeln

Was macht Segeln aus? Wind, Sonne, eine schöne Umgebung. Nun, damit war auch das letzte Oktoberwochenende reich gesegnet. Nur an der Temperatur haperte es deutlich. Aber man kann ja nicht alles haben... 

Samstagmorgen haben wir erst einmal den Wasserliegeplatz für über den Winter bei uns im Hafen fest gemacht - Glück gehabt, es war der letzte freie Platz mit eigenem Stromzwischenzähler und genau die sollen ja angeblich auch den Winter hindurch Strom haben. Schön geschützt vor den üblichen Windrichtungen, keine Bäume in der Nähe ( wenig Schmutz) und die ganzjährig geöffneten und beheizten Sanitäranlagen im Hauptgebäude in Reichweite. 

Gegen Mittag dann endlich Abfahrt. Auf den Brekken hinaus, um zu sehen, ob der Wind nach Vorhersage kam. Natürlich nicht. Also zur Entspannung erst einmal gemütlich den Brekken hoch kreuzen. Strahlender Sonnenschein mit ca. 8° C und tolle Farben, in die die Landschaft getaucht wurde. Wolkenspiele ohne Ende -einfach Entspannung pur. Warm angezogen, der Kaffee im Thermosbecher griffbereit, was will man mehr? Dann die folgenschweren Fehlentscheidung in das Tjeukemeer zu segeln, weil dafür der Wind perfekt war. Um dann dieses im Norden zu verlassen und über Langweer nach Heeg oder Sneek zu segeln. Ein bißchen motoren würde sich nicht vermeiden lassen, aber irgendwas ist ja immer. Der Plan ging bis ins Tjeukemeer voll auf. Genußreiches Gleiten im Kanal und die Landschaft fast für uns alleine. Zwischendurch eine harte Böenwelle, aber wir können ja reffen. Dann den Dreh nach Norden, den Motor angeworfen und ab in den kleinen Kanal. Die Autobahnbrücke hatte nach unserer Erinnerung immer um 10 nach voll und halb geöffnet. Gute 30 Minuten später hatten wir sie erreicht. Doppelrot. Also keine Öffnung. Und ein Schild, dass ab dem 17.10.-31.10. Öffnungen nur zweimal täglich erfolgen. Die letzte vor einer Stunde. Also komplett wieder zurück bis zum Brekken. Und um uns eine lange Nase zu zeigen stellte der Wind jetzt seinen Betrieb ganz ein, obwohl die Richtung bisher jetzt für den Rückweg perfekt gewesen wäre. Was soll man machen? Also zurück. Licht, Wolkenformationen und die Landschaft in ihrer fast völligen Einsamkeit entschädigten für die Enttäuschung. Zu unserem Liegeplatz wollten wir nicht zurück, Sneek würden wir vor Dunkelheit nicht mehr erreichen, also ab nach Heeg. Im neuen Hafen war freie Liegeplatzauswahl -außer uns waren nur vier weitere Yachten vor Ort. Und der Hafenmeister. Gerade noch mit dem letzten Tageslicht legten wir an, wie fast immer bequem rückwärts. So war es an Land nur ein kleiner Schritt, kein Klettern über Boot und Bug - ein deutliches Sicherheitsplus. 

Ein weiterer Vorteil der Jahreszeit: Die Restaurants sind nicht mehr ausgebucht, man bekommt auch Samstagabend problemlos einen Platz nach Wahl. Das Essen war leider nur lauwarm, aber ok. Und die kalte frische Luft macht hungrig. Währenddessen lief bei uns an Bord schon einmal die Heizung, damit wir es wohlig warm vorfinden. Das war auch dringend nötig, weil nachts die Temperaturen bis auf den Gefrierpunkt fielen. Dank Wallas 1800 kein Problem, die Nacht ohne zu frieren zu verbringen. 

Heute morgen waren dann wieder die Stridas gefordert, unsere Bordfahrräder, für einen Ausflug nach Heech by de Mar. Einer großen Firma zum Verleih und Verkauf von Plattbodenschiffen. Immer toll, so viele unterschiedliche Typen auf engem Fleck bewundern zu können. Bei 1°C war der Ausflug aber nur mit Handschuhen und Mütze zu genießen.

Mittlerweile hatte der Wind auch auf die vorhergesagten 4-6 Bft aufgefrischt. Das erste Kanalstück war noch gegenan motoren angesagt, danach wurde es wild. Im 2. Reff mit mehr und mal weniger Vorsegel düsten wir mit 4-5 kn über das Kuevorder Meer den Princess-Margrietkanal hinunter. Harte Böen warfen uns teilweise völlig aus dem Kurs, dann wiederum täuschte uns der Wind Stille vor, die wir als Zeichen zum Ausreffen fehldeuteten. Es war echte Arbeit, aber ebenso toll. Warm eingepackt bei bestem Sonnenschein ein perfektes Segelerlebnis. Wir fuhren mit zwei anderen Yachten mal mehr und weniger eng zusammen, überholten diese und wurden wieder überholt. Das ging den Brekken hindurch weiter, bis wir dann glücklich und zufrieden unseren Liegeplatz wieder erreichten. Wärme ist schön, aber zum Segeln muss es keine 20° haben. Und jetzt suchen wir Häfen, die auch im November offen haben. Denn der letzte Brückentag steht vor uns und bestes Wetter ist vorhergesagt: 14°, guter Wind, viel Sonne und kein Regen. Hoffentlich behält die Vorhersage recht... 

Heeg
Heeg
Historische Schönheiten in Heeg
Historische Schönheiten in Heeg
Jollenbar im Nachbarhafen
Jollenbar im Nachbarhafen

Kommentar schreiben

Kommentare: 0