Mehr als Frühling

An der Zufahrt nach Sneek
An der Zufahrt nach Sneek

Als wir Freitagabend gegen 20.19 Uhr ankommen ist es noch hell. Der Sommerzeit sei Dank. So lässt sich noch die letzte Stunde mit vorbereiteten Köstlichkeiten genießen. Die letzten Gänse verabschieden den Tag und wenig später wird ein Sternenhimmel geboren, wie er bei uns im Rheinland nicht zu sehen ist. Klare Sicht heißt kalte Nacht, aber dafür gibt es Heizung. 

Am nächsten Morgen kontrollieren wir die Sanitäranlagen - jetzt sind auch die Duschen auf. Wie gewohnt vorbildlich sauber, genießen wir es, weil wir heute Richtung Sneek wollen, wo wir die Sanitäranlagen als eher vermeidenswert kennen gelernt haben. Der angesagte Wind aus Ost lässt eine Rückfahrt vom Ijsselmeer nicht als Option erscheinen, da das fast 2 Stunden gegenan bedeutete. Bei vorhergesagten 4-5 Bft am Sonntag kein Vergnügen gegenan zu Motoren, denn Segeln gegenan geht ja nicht. Also beschließen wir binnen zu bleiben und eine Runde an Heeg vorbei durch Ijlst nach Sneek zu segeln. Eine richtige Entscheidung, wie sich zeigt. Wir können hin und zurück bis auf jeweils eine kurze Passage komplett Segeln, mit 5,8 kn in der Spitze genauso schön, wie mit 1,5 kn am anderen Ende. Aber die Geschwindigkeit treibt uns bei der bekannten Strecke nicht. Wir halten Ausschau nach den letzte Woche erstmals gesichteten Austernfischern. Genießen die Rufe der verschiedensten Vogelarten und freuen uns am Aufbruch der Natur. Abgestandenes Schilf in graubraun bildet einen schönen Kontrast zu den sattgrünen Wiesen dahinter, teils wassergeflutet, aber immer von Vögeln belebt. Der typische Ruf der Blesshühner, ihre einzigartige Art über das Wasser zu laufen, die Aufpassergans, während die anderen ruhen oder grasen. Der Kopf wird frei, die Seele baumelt und man kommt mit sich und der Welt in Frieden. Auch jetzt sind es nur wenige Motorboote, die unseren Weg teilen oder kreuzen, die Segler kann man fast an einer Hand abzählen, dann zumeist motorend. Kurz sind wir von zwei Jollen eingeschlossen die nicht genau wissen, wie sie uns überholen wollen, leicht wie sie sind. Wir legen es nicht auf eine Regatta an, sondern lassen uns bewusst zurück fallen und der Jugend das Tempo. Das Brückenglück ist uns auch Samstag holt, lange Wartezeiten gibt es nicht. Keine Warteschlangen vor den Brücken, kein Stress sich wartend frei zu halten. 

In Sneek ist es leer wie nie - hier hätten wir vor dem Wassertor die Auswahl, wo wir liegen wollen. Aber uns zieht es in den inneren Umfahrungskanal, wo wir windgeschützt und mit kurzem Weg zu den Sanitäranlagen auch aussuchen können, wo wir liegen wollen. Es ist gerade 14 Uhr durch, der Markt noch in vollem Gange und das Leben treibt durch Sneek. Wir bummeln mit, snacken ein paar Kibbelinge und freuen uns über die Sonne, die seit unserer Ankunft Sneek in ein vorsommerliches Licht taucht. Vom Sneeker Meer kommend wurde das kleine Gebäude mit den katastrophalen Sanitäranlagen aufgelöst und ein Erdgeschossbereich eines angrenzenden Hauskomplexes umgebaut. Dort ist jetzt das Hafenmeisterbüro und die Sanitäranlagen, die auch diesen Namen verdienen. Erstaunlich: Nur noch die WC's sind nach Geschlechtern getrennt, die übrigen Bereiche nicht. 

Den Tag lassen wir in einem gut gefüllten griechischen Restaurant enden, bevor wir nach einem kurzen Rückweg in den Schlaf fallen. Ruhig liegt man in dem Kanal und geschützt. Die Temperaturen fallen nicht mehr so tief, wie die Nacht zuvor. Kein Problem für unsere Petroleumheizung.

Heute ist dann der Sommer ausgebrochen. Vom Erwachen weg lacht uns die Sonne an und treibt schnell die Temperaturen bis auf über 20° am Mittag. Welch ein Schwelgen in lang vermissten Genüssen. Das sanfte Gurgeln des Wasserflusses am Ruder, ein leichtes Rauschen des Windgenerators in den Böen, die Rufe von Gänsen und Teichhühnern -solche Stunden sollten nicht  zuende gehen. Und auch jetzt haben wir das Glück und sehen wieder in paar Austernfischer. 

Zurück an unserem Liegeplatz entdecken wir einen neuen Nachbarn mit einer wunderschönen Biga 24, deren makelloses Holz in der Sonne nur so strahlt. Schnell ist erste Bekanntschaft geschlossen - das Seglerpaar kommt aus Bremen und es zieht es dennoch nach Holland. Erstaunlich, aber es zeigt, wie viele Vorteile unser Revier doch bietet. Später als sonst treibt es uns nach Hause und der Blick auf die Wettervorhersage zeigt, dass nächstes Wochenende zwar auch viel Sonne zu erwarten ist, aber nur halbierte Temperaturen. So genießen wir noch bewusster die Restzeit am Steg und die Vorfreude auf das nächste Kommen. 

Austernfischer
Austernfischer

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