Doch noch Wintersegeln

Es war kalt aber sonnig angesagt. Und es wurde kalt. Schon die Nacht auf Samstag führte zu Bodenfrost. Und von Sonne war nicht wirklich viel zu sehen. Aber das schreckt nicht, wir vertrauten der Wettervorhersage, die für Samstag über 6 Stunden Sonne vorhergesagt hatte. Also gut gefrühstückt, dann noch schnell die Sicherung des Pinnenpilotcomputers kontrolliert. Dieser setzt seit Spätsommer letzten Jahres immer nach kurzem Betrieb auch ohne Last aus mit der Warnung, die Batteriespannung sei zu niedrig. Kann nicht sein. Batterie geprüft - perfekt. Zuleitungskabel geprüft, alles in Ordnung. Trotzdem erneuert. Ging immer noch nicht. Ich war mit meinem Latein am Ende. Dann der Tipp, die Sicherung könnte korrodiert sein. Konnte ich mir nicht vorstellen, aber man klammert sich ja an jeden Strohhalm, wenn man sonst nicht weiter weiß. Also Deckel ab, die Sicherung gesucht, die sich unter einer speziellen Feuchtesicherung befindet. Herausgezogen -perfekter Zustand. Aber sie ging mir extrem leicht heraus. Also Kontakte enger gebogen, Sicherung wieder hineingedrückt. Dann gings los. 

Der Wind kam mehr von Norden, als Osten, aber dafür mit vollen 5 Bft. Schon auf dem Brekken überall weiße Schaumkronen auf dem Wasser. Und die erste Wende mißlang direkt - eine Bö drückte das Boot einfach in die andere Richtung. Also Segel wieder runter und motort. Die Gelegenheit, den Autopiloten zu testen. Argwöhnisch warteten wir auf die Fehlermeldung. Trotz harter Beanspruchung Fehlanzeige. Es sollte doch nicht etwa der lockere Sicherungskontakt gewesen sein?

Die Sonne machte sich extrem rar. Dafür nahm die Bewölkung zu. Insgesamt drei Hagelschauer gingen über uns in den nächsten Stunden nieder. Zum Glück jeweils nur ca. 2 Minuten dauernd. Aber alles anders als die Vorhersage, die null Niederschlagswahrscheinlichkeit angegeben hatte. Zwiebeltechnik sei dank war uns wenigstens nicht kalt. Ich hatte drei Hosen und bis zu vier Oberteile an. 

Damit wir morgen wenigstens gutes Segeln haben erkoren wir uns Joure als Ziel. Dann nach der Brücke bei Uitwillingerga eine dumme Idee von mir: Gab es nicht eine Abkürzung querab? 

War sie nicht dort an der Ecke? Ja, sie war. Aber ich hatte nicht mehr in Erinnerung, dass der Fahrweg nur wenig tief und extrem schmal war. Maximal vier Bootsbreiten. Insgesamt, wobei an den Rändern das Schilf deutlich bis in die Mitte wuchs. Das ist schon normal schwierig zu befahren, aber bei dem heftigen Wind und den Böen stand mir der Angstschweiß auf der Stirn in der geringen Wassertiefe hängen zu bleiben oder ins Schilf getrieben zu werden... 

Aber das Schicksal hatte Erbarmen mit uns uns wir arbeiteten uns mit viel Schub durch die kleinen Kanäle ins Sneeker Meer, von wo aus der Stichkanal nach Joure abgeht. Ab hier ging es südwärts, damit sollte man Segeln können. Also rauf mit den Tüchern. Noch bevor wir den Motor aus hatten, ergriffen uns die Böen und legten uns heftig auf die Seite. Ein wilder Ritt begann, der schnell mit dem Einrollen des Vorsegels quittiert wurde. Zum Glück waren nur ein paar Motorboote unterwegs und so schossen wir mit über 5 kn den kleinen Kanal mit seinen vielen Windungen entlang. Durch die immer offene Jouresluis schoben wir uns mit offenem Großsegel und Motor, dann gings nur mit Segel weiter. Und je näher wir Joure kamen, desto besser wurde das Wetter. Pünktlich mit dem Anlegen wurde der Wind zwar nicht weniger, aber die Sonne strahlte mit dem blauen Himmel um die Wette. Genau darauf hatten wir gehofft. Ein kurzer Kaffee an Bord und wir genossen bei bestem Wetter einen Stadtbummel durch die Einkaufsstraße von Joure. Auch hier geprägt von vielen historischen Fassaden, die die Städte hier so pitturesk gestalten. 

Heute war dann genau konträr. Deutlich weniger Wind, dennoch ein paar harte Böen, und 90% Segelanteil. Bestes Segeln bei kaltem, aber sonnigem Wetter. Bläst den Kopf frei und freut das Herz. Zwischen 2 und über 5 kn glitten wir durch Frieslands Landschaft im Frühlingsaufbruch. 

Und der Pinnenpilot hielt. Heute nur selten eingesetzt gab es dennoch keinen einzigen Aussetzer. Ich hoffe das Problem beseitigt zu haben. Denn ab Freitag soll es zur Ostertour die Randmeere entlang gehen. Wenn der Wind kommt, wie vorhergesagt. Aber das wird sich zeigen. 

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