Stürmisch nach Akkrum

Einkaufsmeile Akkrum
Einkaufsmeile Akkrum

Warum hatte es mich für den Kurzurlaub nach Friesland binnen verschlagen? Ach ja, der angesagte Starkwind... Komisch, dass negative Wettervorhersagen fast immer stimmen. Das Beste war die erste Hälfte der heutigen Tour: Mittelmäßiger Wind, fast komplett von hinten, dadurch deutlicht entschärft. Laufende Sonnendurchbrüche und viele Fetzen blauen Himmels. Genußvolles Segeln mit gut 3 kn durch den sich leicht schlängelnden Kanal Richtung Ijlst. Nur für die Brücken den Motor anwerfen. Von 9 bis 10.30 Uhr kaum ein Mensch zu sehen, noch zu hören. Erst kurz vor Ijlst taucht hinter mir ein Charterboot auf. Bis dahin pure Natur, eine Vielfalt von Vogelzwitschern und das Gefühl einer heilen Welt. Ein kurzer Zweifel, weil die zweite Brücke Doppel-Rot zeigt, steht eigentlich für Durchfahrt gesperrt. Aber der Wasserweg ist offen, die Brücke wird wohl gerade erneuert. Vorsichtig fahre ich durch - kein Problem. Die nächste Brücke ist der Höhepunkt der heutigen Fahrstrecke: Eine Selbstbedienungsbrücke. Also langsam heranfahren - bei dem starken Seitenwind nicht wirklich gut möglich. Keine Chance für mich, einen der Bedienknöpfe mit der Hand zu erreichen. Schnell den ausziehbaren Stab gegriffen und mit der flachen Endseite den großen Knopf avisiert. Getroffen! Zur Sicherheit schnell umgedreht und mit dem anderen Ende den kleinen Knopf darunter zu treffen versucht. Glück gehabt! Und das alles binnen Sekunden. Die Ampel springt auf Rot-Grün. Jetzt nur noch im Wind halten, bis die Brücke im Halbkreis aufgedreht ist. Völlig erleichtert passiere ich sie. Das war der spannendste Teil für heute...

Das nächste war kurz danach die Eisenbahnbrücke. Oh, die ist nur von Voll bis Fünf-nach-Halb jede Stunde offen. Aber es ist fünf Minuten vor Halb, passt. 

Hinter Ijlst war der angenehme Teil der Fahrt vorbei. Kurz danach kommt Sneek und dort am Ortseingang der Regen. Erst wenig und schnell vorbei. Dann mehr. Zwischendurch leichter Hagel. Dazu musste ich vor der ersten Brücke über 10 Minuten auf die Öffnung warten. Im Regen. Das hätte das Wetter sich schenken können. Noch in Sneek nach der letzten Brücke dort setze ich das Groß. Der Motor läuft nur zur Sicherheit leicht über Leerlauf mit. Und mit dem Ortsausgang lasse ich die Schauer hinter mir. Dafür muss ich jetzt 90° ins Sneekermeer abbiegen. Damit kommt der Wind von der Seite und ergo mit viel heftigerer Kraft. Sofort gehe ich ins zweite Reff und lasse auch die Fock, ohnehin ja nur 12 qm klein, zu 1/3 eingerollt. Dennoch flitzen wir in den Böen mit fast 5 kn davon. Durch die trügerischen Pausen lasse ich mich nicht zum Ausreffen verleiten - die nächste Böe kommt bestimmt. Dafür trocknet der heftige Wind schnell Boot und Kleidung. Dann ist Terherne erreicht, den Rest macht der Motor. Die Brücke dort reagiert sofort auf meine Funkankündigung. Spannend fahre ich kurz darauf in Akkrum ein. Natürlich hat der Wind nochmals zugelegt. Trotzdem fahre ich am großen Passantenhafen vorbei, wo ich völlig ungeschützt mit vollem Seitenwind auf den Anleger hätte liegen müssen. Ich hoffe auf einen Anlegerandstreifen im Dorf - vergeblich. Kurz vor Ende rechts ein kleiner Vereinshafen: "Passanten welcom" Also rein. Hier nur Boxen. Ich sehe eine große mit Grün, der Rest hat rote Schilder. Halt, ganz am Ende noch eine kleinere Box. Da ich schon vorbei war will ich wenden. Eine dumme Idee, in den Wind hinein gegen 5/6 Bft in der engen Gasse wenden zu wollen. Warum bin ich nicht einfach rückwärts gefahren? Aber ich habe Glück und vor allem keine Zuschauer. Vorwärts und rückwärts mühe ich mich ab. Schweißtropfen fließen. Der Wind drückt mich gegen einen Pfahl, den ich dann als Drehpunkt mit nutze. Minuten später bin ich in der Box. Den Thrill brauche ich eigentlich nicht. Aber es ist nochmal alles gut gegangen. Und kaum bin ich fest flaut der Wind ab. Aber Anlegen gehört halt zum Segeln dazu.

Der Tag zieht sich dann kalt und im ständigen Wechsel von Sonne, Starkwind und Schauerandeutung dahin. Ich bin trotzdem froh hier zu sein. Ein Bummel durch Akkrum, ein Bummel in den großen Nachbarhafen. Und morgen gehts Richtung zurück nach Langweer. 

Lost in nature...
Lost in nature...
Die Selbstbedienungsbrücke
Die Selbstbedienungsbrücke
Haus on Tour auf dem Sneekermeer
Haus on Tour auf dem Sneekermeer

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