Kein Genuß ohne Arbeit...

Zunächst enttäuscht müssen wir anerkennen, dass der Wind noch nicht einmal für das Parasail ausreicht - die Richtung passt nicht. Natürlich hatten wir ihn direkt hinter der Schleuse schon oben, um zu sehen, ob er den notwendigen Vortrieb nach Enkhuizen bietet. Aber wenig Wind war ja vorhergesagt. Und während wir unter Motor noch das Parasail bergen, spüren wir - Wind! Es frischt auf, ziemlich schnell. Sofort sind alle Segel oben und das Boot zieht an. Wir reduzieren den Motor, gehen dann testweise in Leerlauf. Über 3,5 kn zeigt das GPS - das reicht. Ungewohnt gleichmäßig gleiten wir unter vollen Segeln nach Südwesten. Hart an der Windkante - Nordwestwind ist angesagt. Mittlerweile loggen wir im Schnitt knapp über 4 kn -fast perfektes Segeln. Ein wenig Sonne wäre noch toll, aber man kann nicht immer alles haben. Da ich heute noch etwas reparieren muss sind wir kurz nach 8 los und genehmigen uns jetzt unter Pinnenpilot unser Frühstück. Es ist frisch und wir genießen das Gefühl einer kleinen Freiheit alleine in der Natur zu sein. Zu früh für die Chartercrews, deren Karawane zur Schleuse erst ab 9 Uhr einsetzt. So sind wir alleine mit einer holländischen Phantom 35 in der Schleuse gewesen, die schon etwas eigentümlich fährt: Direkt am Anfang der Schleuse überholt sie hektisch, nur um uns dann sofort zu schneiden und mitten in der Schleuse vollbremsend an Backbord festzumachen. Ein Pärchen, bei dem er alleine das Schiff managt. Brav fahre ich langsam wieder an ihm vorbei, um möglichst weit vorne festzumachen. Man weiß nie, wen der Schleusenwärter noch eingeplant hat. 

Das Pärchen werden wir in Enkhuizen zufällig wieder sehen. Aber kurz hinter der Schleuse sind wir dann schnell alleine. Unspektakulär und erholsam. Bis wir kurz vor Enkhuizen ein breites Feld schwarzer und schwarz-roter Fischerfähnchen im Meer sehen. Das Gebiet ist zu breit, um es zu umfahren, also ist manueller Slalom angesagt. Nur keine Fahrt verlieren, aber auch kein Fähnchen überfahren. Als Belohnung durchbricht die Sonne jetzt die Wolkendecke und wird uns bis zum späten Abend begleiten. 

Kurz vor Enkhuizen dreht der Wind leicht und macht ein Durchsegeln unmöglich. Aber eine Stunde Motoren ist o.k., wir hatten mit mehr gerechnet. Dafür sind wir schon um halb zwei in Enkhuizen und machen wie immer im Compagnieshaven fest. Zeit Genug, sich einem üblen Problem zu widmen, das uns seit kurzem ereilt hat: Das WC leckt... Ich suche und leuchte und fühle und entschließe mich dann, zwei Schraubschellen enger zu ziehen, in der Hoffnung, dass das das Problem löst. Wie sich später herausstellt, ein Trugschluss. Aber so bleibt genug Zeit, den Nachmittag ausgiebig in Enkhuizen zu genießen und abends wie immer in der alten Räucherei zu essen. Einfache Fischgerichte, fangfrisch schmeckend.

Heute war dann 4-6 Bft und Rückenwind angesagt. Und der Wind hatte den Wetterbericht wohl auch gelesen. In Spitzen mit 6,4 kn stürmen wir über das Ijsselmeer. Trotz erstem Reff. Vorsegel ausgebaumt. Dann nimmt der Wind dauerhaft zu. Ohne Vorsegel erreichen wir immer noch über 5 kn. Die Böenspitzen produzieren Wellenserien beachtlicher Höhe, die unseren Gleichgewichtssinn erheblich schärfen. 25-30° wechseln sich backbords und steuerbords direkt aufeinanderfolgend ab. Erst das zweite Reff bringt etwas mehr Ruhe. Aber in Rekordzeit von  4 Stunden und 15 Minuten einschließlich Schleusung bringen wir die ca. 18 sm von Enkhuizen nach Lemmer hinter uns. So muss Wochenende sein. 

Das war der erholsame Teil. Ich komme dann nicht umhin, mich um das WC zu kümmern. Ableitung bis zur Handpumpe und das WC selbst müssen demontiert werden. Das WC (Lavac) nehme ich auseinander, was nur das Abschrauben des Sockels betrifft. Schnell noch zwei spezielle Schraubschellen in Lemmer gekauft und alles wieder zusammen. Leckt noch. Nochmals gelöst, alles nachgezogen - erster Test: Alles dicht. Mittlerweile ist es nach 17 Uhr, aber es hilft nichts. Mittwochabend wollen wir ja schon wiederkommen, um den Brückentag für einen längeren Ausflug zu nutzen. Da muss das WC funktionieren. Aber es gibt angenehmere Arbeiten... 

Altes Rathaus
Altes Rathaus

Kommentar schreiben

Kommentare: 0