Pleiten, Pech und Sonnenschein

Brückentag. Vier Tage frei. Das lässt immer nach einer Möglichkeit suchen, in die Waddenzee zu fahren. Donnerstag 5-7 Bft, Freitag 4-5 Bft. Das ist heftig. Aber mit Freitagstide morgens 7.27 Uhr ab Den Oever die 10 sm nach Texel sollte bei 4-5 Bft gehen. Nicht angenehm, aber machbar. Auf dem Ijsselmeer waren für Donnerstag 4-6 Bft aus SW angesagt. Heftig, aber wenn die Windrichtung so stimmt, dann sollte eine Stunde motoren bis hinter die Steile Bank reichen und segelnd sind bei richtigem Wind auch 5-6 Bft kein Problem. 

Da der Wind nachmittags etwas abnehmen sollte, sind wir erst gegen 11 Uhr los. Dann der erste Dämpfer: Die Schleusung dauert eineinhalb Stunden. Aber kein Problem. Ob wir um 19 oder 20 Uhr in Den Oever sind spielt gar keine Rolle. 

Das Ijsselmeer empfängt uns erwartungsgemäß heftig mit 5-6 Bft. Das Bolzen gegenan bis hinter die steile Bank - kein Problem. Aber dann dreht der Wind. Immer mehr aus Westen und damit weiter voll gegenan, weil wir am Vrouwezand vorbei genau nach Westen müssen. Längere Perioden bläst es mit 6 Bft am Stück. An Segeln ist nicht zu denken. Ich muss den Pinnenpiloten abschalten, um die Wellen besser = sanfter nehmen zu können. Noch nie habe ich auf dem Ijsselmeer so hohe Wellen gesehen und wir waren schon öfter bei 5-6 Bft unterwegs. Nach drei Stunden kurz vor dem Ende des Vrouwezand ein Klirren. Ich schaue nach hinten und sehe, dass die harten Dauerschläge die Querstrebe des Windgenerators zum Heckkorb hin aus  ihrer Halterung gerissen haben. Oben noch fest schlägt sie gegen den Haltemast des Windgenerators. Notdürftig stelle ich ein wenig Stabilität mit einem Seil her. Ich bin damit fast fertig, ein Ruck und ich sehe, wie der Niederholer des Ruderblattes abgerissen ins Cockpit fliegt. Sofort greife ich wieder manuell ans Ruder -der Ruderdruck ist enorm. Das ist nicht die restlichen 4 Stunden durchzuhalten. Wir entschließen uns, nach Stavoren abzulaufen. Auch das ist ein harter Kampf mit dem Ruder um den Kurs. Ich habe Sorge, die Einfahrt sauber zu treffen. Aber mit reduzierter Geschwindigkeit schaffe ich es, den Ruderdruck auszugleichen. Der Angstschweiss steht mir auf der Stirn, als ich dort ein Stück  rückwärts rangieren muss - was hängt an Seilrest unten am Ruder und wickelt sich vielleicht um die Schraube? Aber es klappt. Wir bekommen direkt am Anfang einen windgeschützten Liegeplatz und jetzt bricht die Sonne hervor. Ein Hauch von Sommer lässt uns die letzten Stunden schnell vergessen. Sogar der Wassersportshop hat noch auf und ich bekomme ein passendes Seil für den Ruderblattniederholer. Keine Stunde später sind alle Reparaturen erledigt und wir genießen den restlichen Abend. Ein klarer Wink des Schicksals, was wir tun sollen. 

Die Windrichtung der nächsten Tage ist weiter aus SW und W angesagt. Nicht mehr so viel, aber wir wollen ja nicht gegenan motoren, sondern segeln. Also lassen wir es heute langsam angehen und segeln nach Makkum. Volles Kontrastprogramm zu gestern. Blauer Himmel, Sonnenschein, 3-4 Bft und wir können komplett durchsegeln. Ein total entspannter Frei-Tag. Hochsommertemperaturen. Trotz eines im Weg liegenden Regattafeldes bei Hindeloopen sind die 11 sm schnell hinter uns gebracht. Wir haben noch freie Liegeplatz Auswahl, zwei Stunden später ist in unserem Lieblingshafenteil alles voll. Gleich lecker frischen Fisch aus dem Hafenimbiss zu eigenem Salat rundet den Tag super ab. Morgen werden wir dann zum ersten Mal durch die kleine Schleuse hier und binnen zurück. Bei Westwind verspricht auch das genussvolles Cruisen. 

Altes Waaghuis Makkum
Altes Waaghuis Makkum
Makkum
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Kommentare: 2
  • #1

    Andreas (Sonntag, 09 Juni 2019 08:51)

    Vielen Dank für den Artikel, in dem ich mich sofort wiederfinden konnte. Ich liege mit meiner Viko 27 in Horumersiel und habe auf dem Weg von Wangerooge zurück (ist ja eigentlich ein Katzensprung) eine ähnliche Erfahrung gemacht. Bei starkem Ostwind und gegen den Strom haben sich ordentliche Wellen aufgebaut. Auch bei mir ist der Niederholer des Ruders gerissen. Habe dann mit der Pinne des Aussenborders gelenkt. Das war aber eine harte Nummer bei dem Seegang. Mittlerweile habe ich immer ein Ersatzseil an Bord. Vielen Dank auch für die schöne und informative Seite. Ich gucke hier häufiger vorbei. Ich hoffe, dass bei Deinem Boot aber soweit alles wieder in Ordnung ist...

  • #2

    Peter (Montag, 17 Juni 2019 22:13)

    Hallo Andreas,
    Danke für Deinen Kommentar. Nein, Ruderniederholertausch ist eine Sache von 10 Minuten, ist ja alles gut zugänglich. Beide Schäden waren schnell behoben. Falsches Tauwerk, schlichtweg verrottet. Ich hab jetzt eines mit ummanteltem Dyneema. Reißt der Mantel hält der Kern noch durch.
    Hast Du mal über ein anderes Ruder nachgedacht, wenn Du immer im Watt segelst? So eines wie ich es letztens bei einer Sportina gesehen habe (oder auch bei den Beneteaus mit Doppelruder), das nach oben hoch gezogen werden kann? Mit der Kombi von Tiefe neu vorgeben durch nach oben ziehen und fest stellen in Kombination mit "Not"Klappmechanismus. Damit wären im Watt die Kräfte deutlich besser auszubalancieren. Ich hab auf Schiermonnikoog auch eine Jeaneau 28.1 oder so gesehen, die hatte das Ruder verkürzt und dafür nach hinten vergrößert, wie ein Plattbodenschiff.
    Vielleicht schaffen wir es ab Donnerstag über den Brückentag ins Watt. Wir werden sehen.
    Viel Freude noch mit Deiner 27er!