Punktlandung: Vlieland

Watt vor Vlieland
Watt vor Vlieland

Mittwoch 19.06.: 21:15 Uhr, Zuhause nach Arbeitsende - - - 21:25 Uhr Abfahrt nach Lemmer - - - 23:25 Uhr Ankunft am Boot - - - 23:35 Uhr Ablegen Richtung Prinses-Margrietsluis - - - 21:51 Uhr Ankunft dort und Funkanfrage zur Schleusung Richtung Ijsselmeer - - - 21:53 Uhr Einfahrt Schleuse - - - 0:10 Uhr Ausfahrt Schleuse - - - 0:25 Uhr Festmachen am Wartesteiger dahinter - - - 0:40 Bettruhe - - - 4:00 Uhr Aufstehen, Kaffeewasserkochen, Ablegevorbereitung - - - 4:25 Uhr Ablegen Richtung Kornwerderzand - - - 10:20 Uhr Ankunft Lorenzsluis Kornwerderzand - - - 11:05 Uhr Ausfahrt Schleuse ins Wattenmeer - - -15:20 Uhr Ankunft im Hafen Vlieland - - - Manchmal passt einfach alles! 

Auch kurz vor Mitternacht war der Schleusenwärter perfekt nett und stellt ohne jede Nachfrage die Ampel sofort auf grün, um uns einfahren zu lassen. Alleine natürlich. Vor der Schleuse am Wartesteiger ein großes Motorboot, das offensichtlich dort übernachtete. Da ich gelesen hatte, dass nur bis Mitternacht geschleust wird, danach erst um 6 Uhr wieder, wir aber um 4 Uhr weiter mussten, wenn wir rechtzeitig an der Lorenzsluis sein wollten, mussten wir unbedingt die letzte Schleusung erwischen. Und es klappte. Bei lauen 18° C und 2-3 Bft ruhig und problemlos. Dann war kurzer Schlaf angesagt - auch perfekt, denn der hinter der Schleuse liegende Wartesteiger war leer und auch bei Dunkelheit leicht anzulaufen. Hier hilft eine starke LED-Taschenlampe enorm. Um 4 Uhr wurde es schon wieder langsam hell, daher problemlose Abfahrt. 3 Bft aus West, also gegenan, war uns bewusst, aber es ging nicht anders und ab dem Vrouwezand verlief der Kurs ja nordwärts, damit sollte es dann ruhiger werden. Die gut 2 Stunden gegen die Wellen motoren trotz Stützgrosses waren hart, weil der Wind zwischenzeitlich auf 4 Bft aufgefrischt war mit entsprechender Welle, die langen Anlauf hatte. Aber danach ging es vernünftig bis zum nördlichen Ende des Ijsselmeeres, die Lorenzsluis in Kornwerderzand. Um richtig mit der Strömung fahren zu können mussten wir dort eine Stunde vor Hochwasser abfahren, also galt es, diese Zeit einzuhalten. Bei dem Wind von dann ca. 3 Bft hieß dies allerdings die gesamte Zeit beizumotoren. Aber die Tide passte und wann hat man Zeit, in 4 freien Tagen gemütlich eine Wattenseeinsel besuchen zu können? Vor der Schleuse ein übles Gedränge fast ausschließlich deutscher Segelyachten, wir hatten Glück und kamen wegen unserer geringen Breite noch in der ersten Schleusung nach unserer Ankunft unter. Kaum in die Waddenzee entlassen dann das erste erfreuliche Ereignis: Schon nach ca. 15 Minuten sichteten wir einen Seehund. Na also. Hat sich doch gelohnt! Eine halbe Stunde später dann die Ernüchterung: Der Wind hatte auf Nordwesten gedreht, also die ganze Zeit gegenan, und der Himmel öffnete seinen Pforten für über 2 Stunden teils heftigsten Regens. Da muss man durch, angenehm ist anders. Aber Vlieland rief und wir folgten. 

Wir nahmen die Inschot-Route und forderten unser Glück gleich nochmal heraus: Das Frransche Gaatje. Aber nicht in der normalen Route, sondern verzichteten auf den Nordschlenker der normalen Anfahrt und schlugen uns einfach quer durchs unbetonnte Watt waagerecht auf die Querroute. Es war ca 2 Stunden nach Hochwasser, ich hatte die Wassertiefe nicht genau berechnet, aber eigentlich sollte es reichen. Zwanzig Minuten später, kurz vor Erreichen des ersten Pricken, ein kurzer Ruck und die Klemme des Ruderniederholerfalls löste aus. Der Regen war mittlerweile vorbei, heller Himmel tröstete, die Strömung kaum wahrnehmbar, also Klemme wieder zugedrückt, Ruder deutlich hochgeholt und fest gesetzt, Schwert zur Sicherheit auch etwas angehoben und kritischen Blicks weiter den Pricken gefolgt. Eine Tiefenangabe gab das Echolot schon länger nicht mehr, aber die Sonne brach durch und tauchte Vlieland und Richel in ein fantastisches Licht. Selbst Brandaris auf Terschelling war jetzt gut zu sehen, und die Stimmung hellte sich Minute für Minute auf. Der Strand von Richel war mit vielen Seehunden bevölkert - irgendwozu muss ja ein Fernglas gut sein. Im Vliesloot stieg die Strömung schnell an - bei der Hafeneinfahrt liefen dann fast 3 kn Strömung quer. Beim letzten Mal hatten uns noch zwei rote Flaggen untereinander die Einfahrt verwehrt, jetzt war alles frei. Also einmal Vollgas und durch die Querströmung hindurch hinein in die Einfahrt. Sofort war es ruhig, Gas gedrosselt und kein Hafenmeister weit und breit zu sehen, wie er sonst bei Überfüllung den Liegeplatz zuweist. Also ganz langsam nach hinten die Liegeplätze durchgefahren. Die letzte Reihe der Schwimmstege passte für unsere Bootsgröße. Und oh Wunder: Wir hatten freie Auswahl, es waren etliche Plätze frei! Also ganz in Ruhe rückwärts angelegt. Vlieland, hier sind wir! 

Unfassbar für uns, aber wir sehen: Auch Vlieland ist an einem Tag machbar, wenn die Tide stimmt. Und hier haben wir diesen Brückentag einmal Glück! Und noch besser. Ab dem Vliesloot sorgte die Sonne für wohlige Wärme, das schnelle Trocknen von Groß und Wäsche und ein tolles Panorama. Da wir erst Samstag zurück müssen, morgen den ganzen Tag damit zur Verfügung haben, also sofort die Stridas ausgepackt. Aufgepumpt und einen ersten Ausflug gemacht. Wir lieben diese ständig neuen Wattansichten. Es ist einfach toll, die wechselnden Lebensräume und ihre Bewohner zu beobachten. Das bei bestem Wetter ist eine Wohltat. Wir verspüren keine Müdigkeit oder Strapazen der frühen und langen Fahrt, sondern fühlen uns wie in einem schon längeren Urlaub. Essen ist vorbereitet, so dass wir den Abend in dem sonnendurchfluteten Cockpit der Boundless mitten in einer tollen Szenerie genießen können. Hinter der hinter uns liegenden Bootsreihe ist schon eine Reihe Sanddünen. Schöner kann man kaum liegen. 

Mitternachtsschleusung
Mitternachtsschleusung
Enge Hafeneinfahrt Vlieland
Enge Hafeneinfahrt Vlieland
Kleine Schleusenkammer Lorenzsluis
Kleine Schleusenkammer Lorenzsluis
Pricken zum Greifen nah
Pricken zum Greifen nah

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