Sonnig bis starkwindig durchs Watt

Angekommen: Makkum
Angekommen: Makkum

3 Stunden vor Hochwasser muss man zurück, will man den optimalen Zeitpunkt von Vlieland nach Kornwerderzand erwischen. Dann hat man den besten Mix der Strömung mit einem und die größte Tiefe über die Wattenhochs. Denn wenn man schon ein Schwertboot mit wenig Tiefgang hat, fährt man so wenig Hauptrouten wie möglich und so viel quer durchs Watt, wie es geht. Daher hieß die Route heute auch durchs. Inshoot. Der Morgen grüßt schon mit perfekter Sonne, wenig Wolken und einem strahlenden Blau, das absoluten Genuss versprach. Pünktlich gegen 9.45 Uhr legen wir ab -trotz enger Boxengasse völlig unproblematisch auch an dem Zweierpäckchen am gegenüberliegenden Stegkopf vorbei. Direkt hinter der Hafeneinfahrt schlägt uns der Wind mit 2-3 Bft entgegen, die Strömung auch mit ca. 1 kn gegen uns - alles perfekt, weil nur bis zum Ostende der Insel andauernd. Hinter uns laufen immer mehr Yachten aus. Vor uns ein Plattbodendreimaster, den wir bis Kornwerderzand vor Augen haben werden, dessen Abkürzungen durchs Watt wir mit gehen. Wo der durchkommt, passen wir auch durch! Die nächsten zweieinhalb Stunden sind der perfekte Segelspass, mit leichtem bis passendem Wind, in Großenteilen gesegelt, teils ein wenig den Motor mitlaufend gelassen, in einer atemberaubenden Kulisse von Sonne, Stränden, Wattinseln, Plattbodenschiffen aller Größen, Katamaren, Trimaranen und normalen Segel Yachten. Nur langsam verabschieden sich Vlieland und Terschellling von uns, mit Prikken gekennzeichnete Muschelbänke zieren die Seiten und ganz selten ist auch einmal ein Seehund kurz zu sehen. Die erste Hälfte segen wir mit einem bekannten Paar mit ihrer Rethana 25, die wir durch Zufall auf Vlieland getroffen haben. Wir haben ungefähr dieselbe Reisegeschwindigkeit. Kurz vor dem ersten Quertripp durch unbetonntes Gebiet frischt dann der Wind auf. Binnen weniger Minuten von 3 Bft auf gute 5 Bft. Sofort reffen wir, nur wenige Sekunden nur ins erste Reff, dann sofort weiter ins zweite Reff. Die nächsten eineinhalb Stunden werden dann heftig, der Wind treibt böig von der Seite, die Windrichtung wechselt leicht, so dass wir später das Vorsegel wegnehmen müssen. Und das Watt wird immer weißer. Als beim zweiten Querabfahren die Ruderniederholerklemme auslöst ist der Ruderdruck stark und der Rest bis zur Lorenzsluis gerät zum Kraftakt. Ich schaffe es aufgrund des Wasserdrucks nicht mehr, das Ruder wieder ganz nach unten zu ziehen.

Wir sind froh, als wir endlich im leicht geschützten Vorbecken der Lorenzsluis ankommen. Es ist so überfüllt, wie wir es noch nie gesehen haben. Da viele Angst haben, nicht bei der ersten Schleusen dabei zu sein, herrscht charakterloses Drängeln trotz immer noch heftigen Windes. Wir entschließen uns schnell, in der letzten Lücke an der Seitenwand anzulegen. Es ist 14.20 Uhr. Erst gegen 18.15 Uhr werden wir die Schleuse verlassen. Wir verzichten freiwillig auf die ersten beiden Schleusungen, um dem schlimmsten Gedränge zu entgehen. Wir sind hier zur Erholung, nicht zum Stressen im Drängelwettbewerb! 

Selbst bei unserer Schleusung werden wir zunächst im Vorbecken gestapelt, wo wir das Glück haben, an einem Frachter festmachen zu können. 

Nachdem auch wir in einer extrem vollen Schleuse wieder ins Ijsselmeer entlassen werden, ist es uns zu spät, um noch weit zu fahren. Wir beschließen, in Makkum zu übernachten und morgen binnen zurück zu gehen. Also schleusen wir direkt in der kleinen Schleuse und liegen jetzt total idyllisch mitten in Makkum zwischen historischen Häusern. Die Sonne scheint in die Plicht und ein friedliches Vogelgezwitscher lässt den Abend ausklingen. Was für einen schöne Erholung! 

Volle Lorenzsluis - wir mittendrin
Volle Lorenzsluis - wir mittendrin

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Kommentare: 2
  • #1

    Maier Florian (Mittwoch, 26 Juni 2019 19:15)

    Hallo Peter,
    Es war uns eine Freude :)
    Grüße aus Medimblik

  • #2

    Peter (Mittwoch, 26 Juni 2019 21:24)

    Hallo Florian,
    toll, was Ihr in der kurzen Zeit Eures Urlaubs erlebt! So positive Menschen wie Euch trifft man ebenso gerne wie selten. Genießt Euren Resturlaub. Vielleicht treibt uns der Wind am Wochenende auch nach Medemblijk, wenn Ihr dann wieder Richtung Sloten segelt.