Wieder einmal: Medemblik

Hafenzufahrt neben der historischen Burg
Hafenzufahrt neben der historischen Burg

Freitagnacht war Ostwind angesagt, 3-4 Bft, gegen Mitternacht abschwächend auf 2-3 Bft. Die ideale Gelegenheit, hinter der Schleuse an dem Sandstrand zu Ankern. Also raus aus dem Wagen, rein ins Boot, kurz fertig gemacht und gegen 20 Uhr Leinen los. Wir sind in Sichtweite der Schleuse, da kommt uns ein Frachter entgegen. Also passt die Schleusenrichtung. Ich gebe sofort etwas mehr Gas. Ein Segler steht bereits vor der Schleuse. Der Schleusenwärter ist ebenso aufmerksam, wie freundlich und wartet auf uns, um uns beide Segler Richtung Ijsselmeer zu entlassen. Keine Wartezeit -perfektes Timing. Hinter der Schleuse stellt sich heraus, dass auch der andere Segler vor dem Sandstrand ankern wird, verabredet mit einem Freund, der mit seinem Boot schon wartet. Insgesamt sind außer uns ein Motorboot und  jeweils 2 Segler im Päckchen, die sich die Gelegenheit nicht nehmen lassen wollen. Der Anker hält auf 1,7 m beim ersten Versuch - kein Wunder, Sandstrand ist idealer Ankergrund... Wir genießen den Sonnenuntergang, essen gemütlich und fühlen uns schon angekommen. Schwert ist oben, das Ruder lassen wir unten und fixieren es mittig, um das Schwojen etwas zu begrenzen. Der Radius ist trotzdem riesig, anders als bei den Booten mit Kiel. Nur das Motorboot schwojt vergleichbar wie wir. Eine Gruppe Jugendlicher setzt sich zu einem Lagerfeuer am Strand zusammen -ein harmonisches Gesamtbild. 

Vor dem Insbettgehen kurz noch die Ankeralarm-App eingeschaltet. Die weckt uns dann gegen 1 Uhr auch prompt aus dem Schlaf. Sofort schrecke ich auf, sehen auf der App einen Riesenversatz und springe an Deck. Ein kurzer Blick: Alles offensichtlich o.k. Die Entfernung zu den anderen Ankerliegern wie gehabt. Der Wind hat leicht gedreht, aber wir liegen wie die anderen auch im Wind. Länger halte ich die Hand an die Ankerleine, aber kein Slippen ist zu fühlen, alles scheint fest zu sein. Und ist es auch. Ich stelle auf der App einen neuen Alarmkreis ein -keine Ahnung, warum dort ein solcher Versatz ist. Dann geht es sorgenvoll wieder in die Koje - es dauert, bis ich in den Schlaf finde. Aber alles bestens. Als wir spät am Morgen aufwachen, liegen wir perfekt wie die anderen und genießen die Sonne und einen strahlend blauen Himmel. Wie angesagt ist nur wenig Wind zu spüren. Wir setzen trotzdem die Segel und versuchen unser Glück Richtung Medemblik, also einmal quer übers Ijsselmeer. Mit wenig Geschwindigkeit aber viel Hitze qälen wir uns eine Stunde vorwärts. An einem parallel laufenden Schiff sehen wir: Auch ein Leichtwindsegel steht  nicht wirklich. Trotzdem setzen wir unser Parasail. Es verhilft uns zunächst zu 1,5 - 1,8 kn, bevor es dann auch in sich zusammen fällt. Segeln ist nicht. 

Ohne Wind dahin dümpeln geht auch nicht - dann droht die Invasion der Ijsselmeerfliege. Da für den nächsten Tag Westwind mit 4-5 Bft angesagt ist, entschließen wir uns Richtung Medemblik zu Motoren. Das gibt ein wenig Fahrtwind, und lässt Zeit zum Entspannen. Pipi lenkt und wir lassen unsere Gedanken bei frischem Kaffee treiben. Viel ist nicht los und so nähern wir uns Medemblik Meile um Meile. Gut 2sm davor will Isabella baden gehen - kein Problem. Motor aus, Boot treibt mit leichten 0,5 - 0,9 kn Rückenwind. Dann ist Ziehenlassen angesagt - also hoch das Groß, Leine achteraus und 1,5-1,8 kn bringen Urlaubsgefühle total.

Die verbleibende Seemeile wird schließlich motort und wir erreichen kurz nach 16 Uhr Medemblik. Die perfekte Zeit, um nicht nur einen der letzten Boxenplätze im Pekelharinghaven zu ergattern, sondern auch noch einen ausgiebigen Spaziergang bei viel Hitze, schattigen Sitzbänken und ein wenig Abendwind zu genießen. Das Kastel Radbout, immer sehenswert, lassen wir dieses Mal aus, das alte Rathaus am alten Bahnhof streifen wir in der Hoffnung auf eine kühle Brise von See. 

Gemütlich geht der Abend dann zur Neige, ein paar Jugendgruppen ziehen noch lustig am Hafen vorbei, ein typisches Sommerwochenende. 

Der nächste Morgen lässt nicht erkennen, welcher Wind uns erwartet. Der Hafen liegt geschützt, also erst einmal noch vor der Ausfahrt ins Ijsselmeer das Groß hoch gezogen. Das Vorsegel werden wir zunächst kaum brauchen, weil bei Westwind Rückenwind anliegt und das Vorsegel dann nur mit Ausbaumen helfen würde. Schon direkt hinter dem Hafen wissen wir, was los sein wird. Bis zur Vogelschutzinsel de Kreupel werden wir der Achterwelle ausgeliefert sein, dann führt der Kurs deutlich nordwärts. Aus dem Windschutz von Medemblik heraus laufen wir nur unter Groß schnell über 5 kn. Mit jedem Stück Entfernung mehr vergrößert sich die Anlaufstrecke der Wellen und sie bauen sich deutlich auf. Es sind gute 4 Bft mit Spitzen in die 5 Bft wie vorhergesagt. Kein Bedarf, noch das Vorsegel auszurollen. Der Speed geht in der Spitze auf über 6,4 kn - mehr als üppig für uns. Zum Glück steuert Pipi und wir können uns auf die Segeleinstellung konzentrieren. Bald binde ich das erste Reff ein - die Geschwindigkeit nimmt nicht wesentlich ab. Kurz vor der Vogelschutzinsel dann das zweite Reff im Groß. Sicherheit wird groß geschrieben, zumal wir gleich auf nördlicher wechseln und dann der Winddruck von der Seite deutlich stärker auf das Boot wirken wird. Die richtige Entscheidung. 

Bis Lemmer testen wir alle Stellungen des Vorsegels durch, von ganz ausgerollt bis gar nicht, so unstet ist der Wind. Und nach nicht einmal fünf Stunden sind wir schon an der Schleuse zurück -für die deutlich über 20 sm für uns ein sehr guter Wert. 

Nein, wir wissen auch heute nicht, warum es Segler gibt, die uns kurslinienmäßig deutlich hin und her schwanken sehen, weil die doch teils maximal hohe Welle uns stark vertreibt, bevor wir wieder zurück auf Kurs kommen, und dann trotzdem meinen, in der Weite des Ijsselmeeres es reichten ca 10-15m Seitenabstand aus zum langsamen Überholen. Warum wir genau in der Kollissionslinie quer segelndern Plattis sind, bleibt mir auch ein Rätsel, ist aber kein Problem, weil leicht zu berechnen und auszuweichen. Aber der Wind tut gut, es ist eher kühl, und die Freude am Segeln zeigt sich in der Vielfältigkeit der Anforderungen. 

So genießen wir auch nach der Schleuse noch die letzte Seemeile bis zum Liegeplatz unter Vorsegel, nur auf den letzten Metern vor der Box muss der Motor ran, weil so viel Verkehr im Durchfahrtskanal herrscht. Zurück gibt es erst einmal Frühstück bei schon wieder viel zu großer Hitze. Wir lassen den Nachmittag vor der Heimfahrt ruhig ausklingen und werfen schon einmal einen Blick auf das für nächstes Wochenende prognostizierte Wetter. 

Ankeridyll
Ankeridyll
Die Gastlandflagge zeigt alles
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Blick zurück auf Medemblik
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