Nicht wirklich sommerlich...

Marrekriteliegeplatz mit Recyclingsteg
Marrekriteliegeplatz mit Recyclingsteg

Die Temperaturschwankungen auch dieses Jahr sind enorm. Letztes Wochenende noch fast 30°, dieses keine 20°C. Aber was solls, Wetter kann man nicht machen, richtige Kleidung wählen schon. Da Westwind angesagt war, war klar, dass es binnen ging - gegenan aus der Lemmerbucht zu motoren muss nicht sein. Also bis mittags gewartet, dass es ein bisschen auflockert. Aber weit gefehlt. Gute 4 Bft aus West verheißen aber zumindest guten Segelwind. Also los und über den Brekken gestürmt. Eigentlich sollte es eine gemütliche Fahrt nur unter Vorsegel werden -da waren 3,5 kn auch schnell erreicht. Aber dann das Verhängnis: Ein anderes Boot, vergleichbar groß, kam an und setzte Segel. Das Regatta-Gen verdrängte das Gemütlich-Ist-Auch-Schön-Gen und Hoch mit dem Groß. Nur im ersten Reff, aber schon binnen kurzem waren aus den 3,5 kn dann 5,5 kn geworden. Und nach wenigen Minuten auch die "Konkurrenz" aufge- und überholt. Na also. Diese bog dann ins Tjeukemeer ab und wir mussten auch kurz darauf vor der Spannenburgbrug die Segel streichen. Wie gewohnt genügte eine kurze Öffnungsbitte per Funk und die Brücke öffnete ohne Wartezeit. Perfekt. Dahinter dann direkt wieder Segel gesetzt, aber die Bewölkung hatte sich verstärkt. Und dann war es Zeit, sich wasserfeste Kleidung überzuziehen. Keine Sekunde zu früh, denn aus dem leichten Niesel wurde ein richtiger Dauerregen, der die Freude für gut über eine Stunde trüben sollte. Wie war das: Lieber ein schlechter Segeltag als ein guter Tag im Büro... 

Selbst die Sonne war durch den Regen vergrämt und versteckte sich hinter intensiver Bewölkung. 

Westwind treibt nach Norden, die nächste Brücke bei Uitwillingerga war bald erreicht und dahinter schlugen wir uns wieder in den kleinen Seitenkanal, den wir als Verbindung zum südlichen Bereich des Sneekermeeres gerne nutzen. Bei dem Regen war der Genuss aber heute in Grenzen und wir suchten einen etwas geschützten Marrekriteliegeplatz zum Abwarten der Wetterbesserung. Gut vertäut genau der richtige Moment für einen heißen Kaffee und ein kleines Nachmittagsschläfchen. 

Wie vorhergesagt war der Regen eine Stunde später vorbei. Die Entscheidung zwischen bleiben und hier übernachten oder weiter zu segeln war leicht: Der Wind stimmte und die Sehnsucht ließ uns schnell die Leinen lösen. Der Wind war kräftig und die Fahrt zügig, trotz Bewölkung schönes Segeln - warm eingepackt. Ein wenig neidisch schauten wir dem Windsurfer hinterher, der uns ca. viermal passiert, obwohl er jedes Mal bis fast zum entferntesten Uferbereich weiter stürmte. Was für ein Speed... 

Wir schlugen den Weg nach Joure ein, um uns einen idyllischen Übernachtungsplatz zu suchen. Bei dem Wetter kein Problem, es war einiges los aber überall noch Lücken für uns. Ein relativ neuer Marrekriteanleger aus Recyclingkunststoff an der Kanalseite kurz vor der Jouresluis war unsere Wahl. Jetzt streckte auch die Sonne ein paar Strahlen zu uns heraus und bescherte uns einen tollen Tagesausklang. Der Wind hatte ein wenig nachgelassen, wir genossen unser Abendessen im Cockpit - was könnte schöner sein? Außer uns nur vier Motorboote am Steg - alle Mann drinnen bleibend, bis auf einen älteren Holländer, der spätabends heraus kam um von seinem Boot aus zu angeln. Eine wohltuende Ruhe begleitete den Abend und nur ein paar wenige Vögel buhlten um unsere Aufmerksamkeit. Das ist Friesland, darum sind wir immer gerne hier. 

Der Sonntag war schwachwindiger, aber größtenteils segelbar zurück. Trocken und kühl, solange der Wind da war, ansonsten schnell stickig, obwohl keine 20°C. Aber ab halb eins kam die Sonne heraus und blieb immer länger. Wir krönten die Rückfahrt mit einem Anleger unter Segel -selten möglich, gerne geübt. Auf dass nächstes Wochenende der Sommer wieder kehrt. Dann gibt es nur einen Kurztrip nach Heeg. Denn dort ist Musikfestival, das man perfekt von der gegenüberliegenden Insel genießen kann, wie wir letztes Jahr durch Zufall erleben durften. Vorfreude ist eine schöne Freude für die nächste Arbeitswoche. 

Blick aus dem Bord-WC
Blick aus dem Bord-WC

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