Glück gehabt...

Rakkepolle gegenüber Heeg
Rakkepolle gegenüber Heeg

Das Wetter war bescheiden angesagt, kalt und Regenschauer. Aber es war Open-Air-Konzert in Heeg. Letztes Jahr hatten wir zufällig auf der Insel gegenüber Heeg -Rakkenpolle- übernachtet, als es lief, und die Musik in angenehmster Lautstärke genießen können. Daher wollten wir es uns dieses Jahr nicht entgehen lassen. Da Heeg aber nur 2-3 Segelstunden entfernt liegt, hatten wir Samstag noch viel Zeit. Also wollte ich die Zeit nutzen, um einmal den Salontisch zu demontieren, in der Hoffnung, eine Öffnung zum Austausch des Schwertfalls zu finden. Das ist mittlerweile ausgefranst und das Schwert geht kaum noch ganz runter, so dass ich eine Kontrolle wagen wollte. Beim Verkauf war mir damals gesagt worden, dass man nach Demontage des Salontisches da leicht rankommt. Nun, um es vorweg zu nehmen: Ja, der Tisch ließ sich relativ leicht demontieren - Akkuschrauber sei Dank. An den Schrauben war gespart worden, diese waren verzinkt und stark angerostet. Aber ich hatte Glück und bekam alle heraus. Dann stellte ich fest, dass unter dem Mittelteil des Tisches ein Hohlraum von ca. 16 cm Tiefe ist - ideal, um Löcher für Flaschen zu bohren. Die halten auch bei stärkster Lage. Ein weiteres Projekt... 

Aber das Wichtigste: Nein, der Schwertkasten ist komplett laminiert. Dicht, weil alles rundherum staubtrocken ist, aber leider ohne Inspektionsluk. Man kann gut sehen, wo Schrauben einlaminiert sind, nicht aber, wo man öffnen muss, um an die entscheidende Verankerung zu kommen an der das Auge eingehängt ist, das den Anfang des Schwertfalls bildet. Hier werde ich Viko-Yachts anmailen, in der Hoffnung auf klärende Antwort. 

Danach hielt ich ein kleines Schwätzchen mit einem Stegnachbarn. Locker an seinen riesigen Bugkorb gelehnt. Den Schlüsselbund mit dem Sanitäranlagenschlüssel locker am Finger. Und es kam, wie es kommen musste, es machte Plumps und der Schlüssel entschwand in die Schlammbrühe am Steg. Trotz Schwimmers und sofortigem Nachstürzen mit der Hand. Dümmer geht nimmer. Sanitäranlagenschlüssel, Schiebelukschlüssel, Vorhängeschlüssel Backskiste, AB-Sicherungsschlüssel -alles futsch im Morast. 

Was hilfts? Ohne große Hoffnung also in die Badehose gestürzt und ins kalte Wasser hinab. Erst ein paar zaghafte Versuche mit Taucherbrille - völlig sinnlos. Dann Taktikwechsel. Im Wasser stehend vorsichtig den Morast mit dem rechten Fuß abtastend. Keine 30 Sekunden später ertastet. Vorsichtig mit den Zehen eingeklemmt und hochgehoben - der Schlüsselbund war wieder da! Was für ein Glück. Unfassbar. Vor Jahren hatten wir hinter unserem Boot einmal eine Taucherflosse verloren und nie wieder gefunden. Und jetzt der kleine Schlüsselbund - ich konnte mein Glück kaum fassen! 

Kurz darauf dann abgelegt Richtung Heeg. Es war windig und starke Böen drückten über den Brekken. Recht schnell war das zweite Reff eingebunden und mit halbem Vorsegel gings mit häufig über 5 kn gen Norden. Da der Wind aus Nordwest kam, musste zweimal gekreuzt werden. Aber die frische Luft wirkte befreiend und wir hatten das Wasser fast komplett für uns. Trotz Ferienbeginns in NRW sorgte das kalte Wetter für wenig Boote auf dem Wasser. Die Spannenburgbrug öffnete direkt und wir motorten über das Koevordermeer bis zum Abzweig des Johan-Friso-Kanals nach Heeg. Zwei kurze Schauer blieben uns nicht erspart, aber nach der Abzweigung war wieder Segeln angesagt. Hart am Wind, nicht zu schnell, aber nur das hinter dem Boot ablaufende Wasser und der Wind sorgten für die richtige Erholungsstimmung. Das Wetter hat selbst die Vögel weitgehend verstummen lassen, aber heute war ja auch noch ein Tag. Die Insel Rakkenpolle war dann schnell erreicht, kaum ein Boot lag dort, von einer Ferienfreizeit mit riesigem Ex-Berufsschiff-Motorboot und einer Horde Falken abgesehen, deren Besatzungen nur zu Abend aßen und sich dann wieder segelnd davon machten. 

Gegen 20 Uhr startete das Konzert und hatte Glück: Schauer blieben ihm erspart und uns trug der Nordwestwind die Musik wieder in perfekter Lautstärke direkt in die Plicht. Coversongs von Police, später auch der eine oder andere Beatle-Song, alles in sehr angenehmer Qualität. Trotz Hochsommers saßen wir bis 22 Uhr mit dicker Kleidung draußen, bevor wir uns ins Boot verzogen. Aber auch hier war bis zehn nach eins die Musik gut zu hören. Das wird ein fester Termin für uns... 

Heute starteten wir erst gegen Mittag, weil bis dahin ein Schauer den nächsten jagte. Aber wir sind ja nicht auf der Flucht... Und bei dem immer noch vorherrschenden Nordwest konnten wir praktisch die gesamte Strecke zurück segeln. Die Fock ausgebaumt lag der Rekord heute bei knapp über 6 kn. Dem stark böigen Wind sei dank. Die Windrichtung erlaubte sogar ein Segeln in die Box. Der Anleger wäre perfekt gewesen, hätte ich nicht direkt beim Eindrehen richtigerweise die Großschot los geworfen, diese sich dann aber am Backbordheckdalben verheddert. Na ja, nichts passiert, dann eben leichte Handhilfe für den letzten Meter und alles ist o. K. Die Sonne belohnte uns daraufhin mit ein paar Minuten Anwesenheit für den Anlegerkaffee. 

So ging ein wettermäßig bescheidenes Wochenende dennoch erholsam zu Ende. Und nächstes Wochenende wird hoffentlich kostenlos ausgekrant -wir haben Termin gemacht, damit die Werkstatt im Hafen, die unser Boot im Dezember ohne Auftrag versehentlich ausgekrant und mit Hochdruckreiniger einschließlich Antifouling gereinigt hatte, dieses wieder aufträgt. Wir  sind gespannt. 

Steuerbordseite des Schwertkastens, Tischseite demontiert
Steuerbordseite des Schwertkastens, Tischseite demontiert

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