Eventsegeln

Ballonfestival Joure
Ballonfestival Joure

10.15 Uhr waren wir am Samstag pünktlich an der Sliprampe bei uns im Hafen. So war es mit dem Leiter des technischen Betriebes dort persönlich vor zwei Wochen ausgemacht, der uns im Dezember ohne Auftrag ausgekrant und dabei dann das Weichantifouling abgespritzt hatte. Das sollte er jetzt wieder anbringen. Persönlich abgesprochen. 10.15 Uhr hatte er selbst angegeben, Auskranen, Aufbocken und wir sollten dann die Zeit haben, den Rumpf zu säubern und zu polieren. In der Woche wollte er dann das von mir gestellte Antifouling streichen und das Boot wieder ins Wasser lassen, damit wir es Freitagabend wieder ohne weitere Verzögerungen zum Segeln zur Verfügung haben. 

Aber das hilft natürlich alles nichts, wenn der Chef nicht da ist und der Mitarbeiter nichts weiß, alleine ist und alleine nicht auskranen kann. Ich hätte es ahnen können, denn es regnete schon in teils heftigen Schauern den ganzen Samstagvormittag. Aber was solls. Wir sollten das Boot Sonntag nach 17 Uhr an die Sliprampe legen, dann würde es Montag direkt gekrant und Freitag sei es dann wieder im Wasser. 

Was also tun? Da Ärgern immer die schlechteste Alternative ist, fertig zum Segeln gemacht, Badehose an und Regenkappe auf und los geht's. Es war noch früh und seit Mittwoch Ballonfestival in Joure. Da der Wind sowieso für eine Ijsselmeertour nicht passte, auf nach Norden. Erstes Reff, ein bißchen Vorsegel - perfekt. Der Brekken war zügig aufgesegelt, die Spannenburgbrug öffnete schnell und wären die teils heftigen Schauer nicht gewesen, es wäre ein tolles Segeln gewesen. Bis dahin mussten wir aber noch bis hinter die Uitwillingergabrug warten, bis es in den kleinen Kanal zum Sneekermeer ging. Es war gegen 14 Uhr, der Himmel brach auf, die Sonne heraus und das Wetter drehte um 180°. Stark böiges Genusssegeln war angesagt. Nur kurze Stücke mit Südrichtung musste der Motor helfen, da der Wind aus Südwest kam, der Rest konnte gesegelt werden.

Am Ausgang des Sneekermeeres nach Joure hin liegt seit dieser Saison ein Umweltfloß, bei dem man kostenlos Fäkalientanks absaugen und ein WC benutzen kann. Ein erster Test vor kurzem war noch gescheitert, gestern dann der zweite Versuch. Perfekte Lage, leichtes Erreichen, auf Anhieb schnurrte die Vakuumpumpe und saugte unseren Tank leer. Super. So wird Umweltschutz leicht gemacht.

Kurz vor vier waren wir dann in Joure - so voll hatten wir den Ort noch nie gesehen. Selbst der Hafen war proppenvoll. Da die Doppelboxen auf normale ältere Boote ausgelegt waren, dort aber überbreite Motorboote lagen, konnten viele Doppelboxen nur mit einem Boot belegt werden. Aber ich hatte schon beim Anfahren gesehen, dass die letzte Box in der Ecke auf jeden Fall leer war. Leider saßen an dem Ende ein paar Angler und blockierten den Steg, sonst wäre ich einfach dort angefahren, ausgestiegen und wir hätten das Boot rückwärts in die Box gezogen. Das ging also nicht. Also leicht andrehen bis kurz vor dem Beckenende mit dem Bug auf die letzte Box gegenüber gezielt. Dort lag ein überlanges Motorboot. Wenig Platz also, dann rückwärts. Aber auch hier aufgrund des sehr großen Motorbootes in der vorletzten Box nur 2 m nach hinten Platz. Ein waghalsiger Gedanke und weiter gings. Da es hier windstill war wechselte ich mehrfach Vor- und Rückwärtsgang  kurz hintereinander, den Dreheffekt des letzten Manövers voll ausnutzend und zog mich so stückweise an den Rand und rückwärts in die Box. Ein perfektes Manöver auf engstem Raum, Mercurys Bigfoot sei Dank. 

Da der Ballonfestivalplatz leicht außerhalb liegen sollte, war Strida-Time angesagt. Zwei Griffe und das Rad steht. Startzeit zum Aufblasen der Ballons war 19.30 Uhr, wir hatten noch gut zweieinhalb Stunden. Super für eine Proberunde mit Strida durchs Dorf, was wir bisher nur beschränkt zu Fuß gemacht hatten. Strida sei Dank haben wir sogar die alte Mühle von Joure gefunden, dann einen Stadtbummel gemacht und anschließend eine kleine Suchfahrt zum Ballonfestivalplatz. Jetzt ein kurzes Päuschen unter der strahlenden Sonne, die den nassen Vormittag und Mittag längst hat vergessen lassen. Ein leckerer Snack des selbst gebackenen Lachs-im-Brotteig, Kamera eingepackt und zurück zum Festivalplatz. Alle Bänke rund um den Startplatz waren schon lange belegt, also genossen wir erst einmal ein paar frische Churros und drehten eine erste Runde durch den Rummel mit seinen Eß- und Unterhaltungsbuden, um zu sehen, wo der Blick wohl am besten ist. Aufgrund des stark böigen Starkwindes verzögerte sich der Start, bis es gegen 21 Uhr dann doch los gehen konnte. Es war das erste Mal, dass wir gesehen haben, wie Fesselballons gefüllt und gestartet werden. Ein tolles, farbenfrohes aber auch lautes Erlebnis. Gegen 23 Uhr war es deutlich abgekühlt, und während die Kirmes noch mit Bandmusik bis nach Mitternacht andauerte, zog es uns in unsere Koje. Es war allemal ein tolles Erlebnis. 

Heute waren 3-5 Bft angesagt, leider kamen diese weniger aus der angesagten Westrichtung, sondern mehr Südwest. Aber im zweiten Reff und bei wechselnder Vorsegelfläche konnten wir auch heute gut 3/4 der Strecke segeln. Das Wochenende beendeten wir dann mit dem Legen des Bootes kurz nach Fünf an die Slipbahn. Hoffentlich hält der technische Dienst wenigstens seine Zusage, dass die kleine Arbeit diese Woche erledigt und das Boot bis Freitag wieder ins Wasser gelegt wird. Wir werden sehen. 

Umweltschutzfloß - perfekt abgesaugt
Umweltschutzfloß - perfekt abgesaugt
Historische Mühle Joure
Historische Mühle Joure

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