Sommerkapriolen

Storchenzug am Abendhimmel
Storchenzug am Abendhimmel

Es waren noch gut 30° C, als wir gegen 19 Uhr Freitagabend am Boot ankamen. Aber der Wind machte die Temperaturen leicht erträglich. Und ja, der Werkstattdienst hatte Wort gehalten, die Boundless lag an der Slipbahn vertäut und offensichtlich war das Antifouling erneuert worden. Soweit schon einmal alles gut. Also alles ausgepackt, ins Boot umgepackt, das Boot zum Liegeplatz gefahren und das Auto nachgeholt. Damit hatten wir unser Abendessen wohl verdient und konnten es bei immer noch heißem Wetter und kühlem Wind in der Plicht genießen. Der Himmel gebar wundervolle Wolkenkombinationen. Und dann zog noch eine Gruppe Störche über uns hinweg -das sind die Momente, die einen aus der Wirklichkeit heraus nehmen und in eine Stimmung versetzen, die ebenso unwirklich wie genussvoll ist. Weder in Bilder, noch Worte richtig zu fassen, einfach extrem intensiv. 

Samstag war dann genauso sonnig, besser: heiß, aber mit 4-6 Bft aus Ost auch sehr windig angesagt. Da wir aus familiären Gründen am Sonntag schon um 13 Uhr fahren mussten war der Entschluss leicht gefasst, nur den Princess-Margriet-Kanal entlang zu fahren. Also noch in der Box das erste Reff eingebunden und los gings am späten Vormittag. Kaum aus der Box heraus gedreht, sofort das Groß gesetzt, da der Wind von hinten kam. Noch weit vor dem Ende unserer Boxenreihe ist der Motor aus und wir gleiten mit 2,5 kn dem Groote Brekken entgegen. Dann erst die Fender klar gemacht und in der Kurve in den Brekken das Vorsegel dazu genommen. Und ab ging die Post. Mit über 5 kn bei heftigen Böen stürmen wir den Brekken hoch der Spannenburgbrug entgegen. Funk sei dank gab es hier wenig Wartezeit, zumal der stark böige Seitenwind ein Warten auf der Stelle arg erschwert. Direkt hinter der Brücke wieder Segel hoch und weiter geht's. Bis Sneek haben wir alle Reffs durchgeprüft, das letzte lange Stück im zweiten Reff und nur hälftigem Vorsegel, so stark drücken die Böen. 

Und das bei bestem Sonnenschein. Nach Sneek hinein das letzte Stück war dann mit Rückenwind langsamer, aber nicht weniger genußreich. Gegen 14 Uhr liegen wir in Sneek fest, drehen eine Runde durch die Innenstadt, essen ein Eis und beschließen 2 Stunden später wieder zurück zu segeln. Einfach des Segelns willen. Und weil der Wind immer noch unvermindert blies, blieben wir im zweiten Reff im Groß. 

Hinter der Brücke von Uitwillingerga überholen wir dann langsam aber kontinuierlich ein deutsches Plattbodenschiff, als von hinten eine 24er Charterpolin näher kommt und sich - obwohl nur ca. 4 m zwischen Platti und uns war- dazwischen schiebt, ohne wirklich überholen zu können. Sicherheitsabstand gleich Null. Weiter in die Mitte kann ich nicht ausweichen, weil wir dort von Motorbooten überholt werden und auch Gegenverkehr kommt. Die Holländer in der 24er scheint das nicht zu stören. Gut 10 Minuten tun wir uns das an, dann entschließen wir uns, ein Reff heraus zu nehmen, trotz der starken Böen. Wenige Minuten später liegen beide Boote weit hinter uns, wir haben aber alle Hände voll zu tun, weil die unregelmäßigen Böen eigentlich stärker sind, als der Segelstand es wünscht. Aber noch geht es und so segeln wir mit teils über 5,5 kn den Kanal hinunter, dort, wo die Bewaldung in Luv ans Ufer reicht, auf 1 kn gebremst. Auch auf dem Brekken schießen wir mit fast durchgängig über 5 kn dem Liegeplatz entgegen. Bei viel Arbeit an der Großschot und ebensoviel Freude. Ein toller Segeltag, der gegen 20 Uhr sein Ende findet und wieder mit selbstgemachtem Essen gekrönt wird. Das macht das Revier aus: Für jede Windsituation gibt es eine Segelalternative. 

Heute haben wir bei mittags über 30° eine Strida-Tour nach Lemmer gemacht, ein wenig Verkaufssteiger geguckt, ein wenig in der Stadt gebummelt, bis wir uns wieder auf den Heimweg begeben. Deutschland empfängt uns mit über 12° C weniger, teils Nieselregen. Und mit sofort geweckter Sehnsucht zurück zum Boot. Das muss aber jetzt zwei Wochen ohne uns auskommen - nächstes Wochenende ist Paris am Zuge. 

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