Noch einmal Hochsommer

Es war das letzte Wochenende vor dem diesjährigen Urlaub: Ab Ende nächster Woche zwei Wochen auf dem Boot - Hurra!!! Da es dann bei passendem Wetter durchs Watt gehen soll hatte ich nach den bisherigen Erfahrungen beschlossen, mir ein wattfähiges Ruderblatt zu bauen, das statt ca 140 cm nur ca. 90 cm tief geht. Da Messen und Rechnen nicht meine Stärken sind, wurden es dann ca. 85 cm, aber immerhin. Für die notwendige Dicke also zwei Schichtholzplatten 100 x 25 cm gekauft, mit Epoxy verklebt, um die notwendige Dicke zu erhalten, dann mit einem einfachen Elektrohobel grob in Form gebracht, den Rest mit Schleifmaschine und 40er Papier, dann mit Epoxy komplett gestrichen zur Wasserfestigkeit, 3 x Grundierung und 1 x Hartantifouling. Bis auf das Holz, ca. 28 € im Fachhandel, hatte ich den Rest, die Gesamtkosten haben sich also für das Experiment in Grenzen gehalten. Die Form habe ich grob dem originalen Ruderblatt abgeschaut, also nach ca. 1/3 die größte Dicke vorgesehen und den Rest zum Rand hin möglichst gleichmäßig beigearbeitet. Damit wollte ich vermeiden, dass bei wenig Wasser das Ruderblatt hochkippt, was das Steuern extrem schwer macht. Nicht umsonst haben Plattis und andere tiefgangreduzierte Boote auch flache Ruder. Freitagabend direkt eingebaut, gestern sollte der Test erfolgen. Daraus wurde dann nicht wirklich viel, weil der mit 3-4 Bft vorhergesagte Wind ausblieb, aber einige Erkenntnis gab es: Es gibt keine Resonanzen, es vibriert nichts, das Ruder liegt leicht in der Hand, wie es soll. Vorwärtsfahrt unter Motor ist kein Unterschied zu vorher. Langsames Segeln mit bis 15° Lage war kein Problem, kein Sonnenschuss o.Ä. ABER: Rückwärtsfahrt ist dramatisch schlechter. Denn dann wird das Ruder nicht durch den Motor angeströmt, sondern nur durch die Fahrt durchs Wasser. Und hier kommt die deutlich geringere Fläche negativ zum Tragen. Und sofort wurde mir bewusst, warum Plattbodenschiffe beim Anlagen so viel manövrieren, in die Spring einfahren, also mit Leinen arbeiten. Die haben dasselbe Problem. Aber damit kann ich leben, zumal es ja  nur für den Urlaub sein soll. Ideal wäre ein Steckruder, aber das habe ich halt nicht. Das hieße komplett neuen Ruderkopf und neues Ruderblatt. 

Samstag also dann in die Schleuse, raus aufs Ijsselmeer. Gefrühstückt war schon draußen natürlich, es war warm und wurde immer heißer. Die 30° Marke wurde locker geknackt. Dazu dann nicht der mit 3-4 Bft angekündigte Wind. Ein Hauch ersetzte diesen. Wir haben also direkt zu Beginn unseren Parasail gesetzt. Und uns ca. 3 Stunden dahin treiben lassen, bis auch dieser in sich zusammen fiel. 1 - 2 kn, zweimal für wenige Sekunden 3 kn, mehr war nicht drin. Aber dafür sengende Hitze, KEIN Mückenüberfall, und tolle andere Gennis zum bewundern. Vom Spi einer 17er Leisure, die lange neben uns trieb, bis zum Monstergenni einer großen Jeanneau in gelb - siehe Foto nach dem Text. Ein erholsamer Vormittag, dann ein wenig Motoren bis Stavoren und dort den Tag zuende genießen. Höhepunkt war die Schleusung nach Stavoren. Als wir um 15 Uhr dort ankamen, waren alle Wartesteiger voll. Durch Zusammenrücken haben wir noch den allerletzten Platz ganz hinten bekommen. Dann öffneten beide Schleusen und es fuhren Boote ein. Und mehr Boote. Die Ampel der neuen Schleuse blieb grün. Wir rückten bis zur vierten Stelle des Wartesteigers vor. Dann der Ruf über Lautsprecher: Noch vier Boote in die rechte Schleuse. Wir schauten uns irritiert an. Aber wenn der Schleusenwärter ruft, fahren wir, er muss es wissen. Nun, wir wurden als letztes Boot zwischen die hinterste Reihe gezwängt, mit dem Bug zwischen drei Booten, das Tor ging aber problemlos zu. An Festmachen war nicht zu denken, aber Festhalten geht ja auch. 

Zehn Minuten später verließen wir die Schleuse als mit die letzten Boote und bogen um die Ecke in den Binnenhafenbereich an der Insel dort. Was soll ich sagen? Kurz nach drei und ALLES voll... Die letzten beiden Boxen wurden von Booten angefahren, die vor uns aus der Schleuse kamen. Das hatten wir noch nie erlebt. Aber was sollst, es waren noch ZWEI Liegeplätze an der rechten Seite frei, allerdings mit langem Laufweg zu den Sanitäranlagen. Aber besser, als kein Liegeplatz, also vorsichtig Rückwärtsgang rein. Hier wusste ich bereits, dass es rückwärts mit dem neuen Ruder nicht wirklich gut geht, aber wozu gibt es Nachlaufeffekte? Also ein Stück zurück Richtung Box. Boot dreht ein wenig, aber unwillig. Dann Gang aus, Vorwärtsgang und heftiger Gasschub. Boot dreht weiter in die gewünschte Richtung. Bevor der Schub nach vorne einsetzt, wieder leicht rückwärts. Boot fährt ein wenig zurück, ohne viel zu drehen (trotz hart gelegter Pinne). Wieder auskuppeln und harter Schub vorwärts. Boot dreht wie gewünscht rückwärts in die Box. Dann langsam Rückwärtsgang und es war geschafft. Das letzte Stück per Hand am Nachbarboot entlang gezogen (Bootsrand Metallboot Danish Rose-Typ) und gut lagen wir. Geht doch. 

Der Rest war Genuss. Einschließlich Sonne bis zum Sonnenuntergang. Noch nie haben wir 20 Schiffe vor dem Strand in Stavoren ankern sehen. Ein wenig Essen, ein wenig Spazierengehen, ein wenig Ausruhen - das ist Erholung pur. So muss Hochsommer sein. 

Der Sonntag war dann unspektakuläres Zurückmotoren. Der Wind war auch heute zu schwach zum Segeln. Aber Pinnenpilot sei Dank kann man bei mäßiger Drehzahl und 4 kn auch hier die Landschaft genießen, sich an Vögeln, Farben und anderen Booten erfreuen und in Gedanken die letzten Vorbereitungen für den Urlaub treffen. Wenn alles klappt soll es binnen bis Lauwersoog gehen, dann durchs Watt nach Borkum, danach nach Juist und von dort über Delfzijl und Groningen binnen zurück. Das ist Plan A. Wir werden sehen, was daraus wird. 

Links neu, rechts in Blau das Original
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