Doch noch Borkum

Borkum vor uns
Borkum vor uns

Die Nacht war stürmisch. So stürmisch, dass ich erstmals um 3 Uhr morgens raus musste, das Großfall vom Groß abschlagen und am Lazybag festmachen, weil es trotz Zurückbinden laut schlug. Auch das Spifall. Dazu mehrfache Regenschauer. Also war ausschlafen und spätes Frühstück angesagt. Erst nach 10.30 Uhr der Blick auf den Wetterbericht. Was war das denn? Starkwind bis zum Wochenende wie gehabt, dann aber die nächste Woche Flaute. Sofort bei Borkum nachgesehen - dasselbe. Komplette Wetteränderung also. Aber nächste Woche nach Borkum geht nicht, weil die Tide für übers Watt nicht mehr passt. Was tun? Kurze Blicke ausgetauscht, kurz beredet, dann sofort alles weg gepackt. Wenn wir jetzt sofort ablegen, können wir noch beide Wattenhochs nach Borkum schaffen. Wind war mit 4 Bft vorhergesagt, erst am Abend dann 5 Bft. Die Zeitrechnung war knapper, da wir ja nicht von Lauwersoog los kamen, sondern von Schiermonnikoog starteten. Aber das wird schon irgendwie gehen. Der Wind war mit West die Küste entlang fast von hinten, daher musste der Motor mit helfen. Wir mussten 5 kn laufen, damit die Wattenhochs zu schaffen sind. Aber wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Um Zeit zu sparen, entschloss ich mich, weite Strecken quer durchs Watt zu segeln. Ohne Rücksicht auf die Tonnen. Bei kurz vor und nach Hochwasser muss das gehen. Und es ging! Nur einmal kam uns kurz vor dem Erreichen betonnten Fahrwassers das Ruder hoch. Wohlgemerkt: Das Wattruder mit knapp 85 cm Tiefgang... Auch der Rest funktionierte perfekt. So ging es bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel durchs Watt, bei unsteten 4, manchmal auch 5 Bft. Groß im zweiten Reff, kein Vorsegel. Aber von hinten gar kein Problem. Ein wenig schaukelig, aber im Watt sind ja nicht so hohe Wellen, dass das unangenehm wird. 

Der brutale Teil kam dann auf der Ems bis zum Hafen Port Henry auf Borkum. 5-6 Bft aus NW. Und das bei Ebbe. Also Wind gegen Strom. Wer das kennt, weiß, wie übel das sein kann. Ein zerrissene Wellenbild, überall weiße Schaumkronen und ein elendes Schlingern. Das hat mit Spass nichts zu tun, da heißt es nur Durchhalten. Wir hatten allerdings das Glück, dass uns wenigstens keine großen Frachter in den Weg kamen. Diese passierten deutlich hinter uns, eine Fähre kreuzte uns ohne Probleme im Fahrwasser kurz vor dem Hafen. 

11 Uhr los, gegen 16.30 Uhr dann Ankunft. Als wir in Port Henry einbiegen, kommen sofort Bilder an Filme über die Apokalypse auf. Unzählige meterhohe verrostete Metallpfeiler stehen vor einem. Ohne wahrnehmbare Ordnungsstruktur. Skurril ist hier schon deutlich verharmlosend. An Hafen denkt man da nicht. Aber ich wusste, im rechten Bereich musste ein passender Steg sein. Also sofort Motor gedrosselt, zum Glück ist hier ein guter Windschutz. Und dann langsam möglichst weit nach hinten durch. Die Stege sind spärlich besetzt, kein Problem, einen freien Steg mit Seiteneinsteiger zu finden. Aber wer holländische Häfen gewohnt ist, findet hier ein sehr rustikales Bild. Verrostete Metallkonstruktionen mit eingelegten dicken Bohlenbrettern. Sieht nicht einladend aus, hält aber. Da die nächsten Tage Starkwind angesagt ist, haben wir mehr abgesichert als sonst. Sicher ist sicher. Dann der erste Schreck: Wir sind so schnell weg, dass wir vergessen haben, unsere Fahrräder mit zu nehmen. Da in Schiermonnikoog die Räder nicht am Steg stehen können, sondern hinter dem Sanitärgebäude, haben wir sie in der spontanen Idee, nach Borkum zu kommen, dort vergessen. Wir waren ja davon ausgegangen, ein paar Tage dort zu bleiben... Also haben wir nicht nur hier keine Fahrräder, sondern müssen diese dort auch nochmals abholen. Irgendwas ist halt immer. 

Derzeit weht es heftig mit 5-6 Bft, der Windgenerator erzeugt gerade 2 bis über 4 A. Blöd, dass die Batterie schon wieder voll ist... Aber gut zu sehen, dass man nicht auf Strom am Steg angewiesen ist. Den hätten wir hier kaum erreicht, so weit weg ist der Verteiler. 

Die Sanitäranlagen sind hier einfach, aber sauber, besser, als nach Berichten befürchtet. Morgen sehen wir dann weiter, was Borkum und Wetterbericht so bieten. 

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