Museen in Perfektion

Schon die Form ist Kunst - das Groningen Museum
Schon die Form ist Kunst - das Groningen Museum

Eigentlich bin ich kein Freund moderner Kunst. Aber wer einmal in Holland in einem Museum war, weiß, dass diese in den weitaus überwiegenden Fällen im besten Wortsinn modern gestaltet sind: Besucherfreundlich. Den Besucher, auch wenn eher mäßig interessiert, nett an die Hand nehmend Einblicke gewährend. Abwechslungsreich, oft spannend. 

Das Groningen Museum enttäuscht hier nicht. Schon seine Architektur außen und innen ist erfrischend anders und fesselt den Blick an vielen Stellen. Ecken und Winkel machen neugierig, dahinter zu schauen.

In moderne Kunst gehe ich ohne Erwartungen, aber die  werden hier sofort übertroffen. Wenn man den Weg in den Museumseingang überlebt hat. Denn das Museum bildet eine Insel auf dem die Innenstadt umgebenden Kanal auf Höhe des Hauptbahnhofs. Und eine Verbindungsbrücke zur Innenstadt führt genau über die Museumsinsel. Tja, und ungefähr 5.000 Fahrräder pro Minute rasen in atemberaubendem Tempo über diese Brücke, die keine Trennung von Fuß- und Radwegen aufweist. Das ist ein Punkt, den ich an Groningen nie vergessen werde: Die ständige Angst, von rasenden Fahrrädern überfahren zu werden. Immer und überall in der Innenstadt. Das ist hier schon extrem. 

Wenn man es in die Eingangshalle geschafft, den Eintritt bezahlt hat (15 € pro Erwachsener), dann geht man über eine kunstvoll gestaltete Wendeltreppe in den unteren Bereich, von dem aus sich die Wege in die verschiedenen Ausstellungsbereiche verteilen. Möbel, Bilder, Alltagsgegenstände vor allem des 20sten Jahrhunderts finden sich hier. Teils mit Schwerpunkt von Künstlern aus der Provinz Groningen, aber auch weit darüber hinaus. Eine Etage mit Glas--und Keramikkunst ist durch einen Irrgarten von deckenhohen weißen Vorhängen unterteilt, deren Eingänge zu suchen und Verbindungswege zu finden einen ganz besonderen Reiz hat. Unauffällig, aber doch eindeutig die Führung und der Entdeckerreiz wird geweckt. Überraschungen wie im Boden eingelassene Vitrinen gehören dazu. Selbst wenn man interessantere Dinge schon woanders gesehen hat oder die Exponate selbst nicht übermäßig interessieren, so macht Museum Spass. Für Jung und Alt. Dazu eine Etage mit modernen Lichtinstallationen, die zum Mitmachen da sind und anregen. Wo eigene Schatten ein paar Sekunden eingefroren bleiben, während man sich weiter bewegt. Oder im Dunkeln Lichtkugeln selbst bewegt werden können. Interaktion wird vermittelt und führt auch weniger Interessierte in neue Kunstbereiche. Das waren mehr als zwei schöne Stunden, die ich wegen der Exponate selbst so nicht verbracht hätte. 

Dann auf in das Schifffahrtsmuseum. Das ist in zwei mittelalterlichen Häusern untergebracht, führt einen im Zickzack durch deren Räume und vermittelt in raumaufgeteilten Themenbereichen die Entwicklung der großräumlichen Schifffahrt in Groningen und das Leben der Schiffer und Besatzungen. Mit extrem vielen Modellen, teils hunderte von Jahren alt, vielen wundervollen Fliesensets mit Segelbootmotiven, tollen Baustilaspekten der mittelalterlichen Gebäude. Mit 8 € pro Erwachsener ein eher günstiges Vergnügen und jeden Cent wert. 

Anstrengend wurde das Ganze dann dadurch, dass auch noch Markttag war, den wir uns natürlich nicht entgehen lassen konnten. Wie schon seinerzeit in Franeker haben wir auch heute u.a. einen Bäckerstand gefunden, der leckere Teilchen zum Billigstpreis verkauft hat, dazu auch entsprechend das Brot. Leckerer als im Supermarkt, dazu zu einem Bruchteil des Preises. Und auch heute bei bestem regenfreien Wetter und viel Sonne. Wir werden Groningen in bester Erinnerung behalten. Denn morgen geht es weiter. Dann mit der großen Herausforderung, Groningen über seine ca. 15 vor uns liegenden Brücken zu verlassen. Dann geht es zurück nach Lauwersoog - wir müssen ja nochmal nach Schiermonnikoog, die Fahrräder abholen... 

Innenhof des Schifffahrtmuseums
Innenhof des Schifffahrtmuseums

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