Gute Tage - schlechte Tage

Leuchtturm Schiermonnikoog
Leuchtturm Schiermonnikoog

Es gibt Tage, die sollte man schnell vergessen. Gestern war so ein Tag. Aufgewacht bei Sonnenschein, draußen in der Plicht in Groningen gefrühstückt und dann pünktlich um 9.30 Uhr mit einer anderen Yacht vor der ersten Brücke gestanden -insgesamt galt es noch 13 Brücken zu durchfahren, um Groningen hinter sich zu lassen. Natürlich wurde es dann windig -so 4 Bft. Da es eine 3/4 Umrundung von Groningen ist, also von immer anderer Seite, was das Warten vor Brücken nicht gerade vereinfacht. Aber vom Prinzip ging es vernünftig vorwärts. Bis auf die vorletzte (Eisenbahn) Brücke. Dort mussten wir gute 20 Minuten warten, konnten nicht anlegen und kämpften mit dem Wind. Kurz danach fing es an zu regnen. Erst wenig, dann immer mehr. Bei strömendem Regen kamen wir dann an die erste Schleuse nicht weit hinter Groningen. Ich bat wie immer per Funk um Öffnung - geht nicht. Schleusentor kaputt, sie arbeiten daran. Wie lange das dauert, weiß man nicht, aber sie hoffen nicht länger als 2 Stunden. Also bei starkem Seitenwind ein übles Anlegemanöver an den Wartesteiger gefahren, mit keinem Spielraum nach vorne, weil dort ein anderes Boot lag, und keinem Spielraum nach hinten, weil der Wartesteiger da zu Ende war. Aber auch das haben wir hinbekommen. Wir hatten Glück und konnten nach einer Stunde schon weiter. Der Wind drückte mittlerweile mit 5-6 Bft den Regen über uns, in uns und gegen uns, während wir den Kanal Richtung Lauwersoog fuhren. Nach acht Stunden war die Tortur beendet, wir haben in Lauwersoog windbedingt für das Anlegemanöver länger benötigt, als normal, aber im Endeffekt hat alles geklappt. 

Und schon ist man mitten in den Nachteilen eines Kleinkreuzers: Wohin mit den nassen Sachen? Wie trocken bekommen? Also Landstrom gelegt, um unseren Reserveheizlüfter auf niedriger Stufe anzuwerfen, alle möglichen Handtücher aktiviert, um die Wasserpfützen auf dem Boden aufzusaugen und neue durch die wild im Salon aufgehängte und verteilte Kleidung ablaufenden Tropfen aufzufangen. Überall Nässe, Feuchte, und kaum Bewegungsmöglichkeiten, ohne gegen nasse Kleidung zu stoßen. 

Aber da muss man durch. Da für heute vormittag auch 5 Bft für Schiermonnikoog angesagt waren, haben wir uns entschlossen, die Stridas per Fähre abzuholen. Damit wir noch ein Stück Heimweg schaffen, haben wir die erste Fähre morgens um 6.30 Uhr genommen. Die Nacht war trocken, der Morgen auch. Mild. Die Sanitäranlagen in dem Hafen sind die besten, die ich kenne, und eine heiße Dusche befreit vom Gestern. Eine halbe Stunde Fußweg durch die Dunkelheit zum Fähranleger und mitten unter vor allem Arbeitern setzen wir nach Schiermonnikoog über. Langsam geht die Sonne auf und wo sie ist, wärmt sie sofort. Die Bewölkung löst sich auf und trotz des zunehmenden Windes sind überall Vögel im Watt zu sehen. Es ist Mittelzeit zwischen Niedrig- und Hochwasser. Vom Fährhafen zum Yachthafen, wo wir die Stridas vergessen haben, laufen wir erträgliche 35 Minuten. Dann haben wir sie wieder. Es ist jetzt 7.50 Uhr und die nächste Fähre zurück geht erst um 10.30 Uhr. Wir nutzen die Zeit komplett, um mit den Stridas den Westteil der Insel bis zur Mitte noch einmal zu erkunden. Durch die Dünen, vorbei an Rebhühnern und Pilzen am Waldesrand. Werfen verträumte Blicke auf den Strand und die Flut. Genießen die Sonne, die sich immer häufiger durchsetzt und uns die Stimmung bietet, die wir doch einige Male im Urlaub bisher vermisst haben. Der Tag versöhnt für gestern. Der Wind stört nicht, bestätigt aber unsere Entscheidung für die Fähre und gegen das eigene Übersetzen mit unserem Boot. Das Watt ist von Schaumkronen übersät, wir hätten gegen den Wind fahren müssen, also durchgängig motoren. Das ist kein Spass, da ist es besser, die Fähre zu nutzen. 

Der Regen ist vollständig verschwunden, am Boot zurück kochen wir in Ruhe Wasser für Kaffee, freuen uns, dass die meisten Sachen wieder trocken sind und ich baue das alte Ruderblatt wieder ein. Das Watt liegt hinter uns, die Tiefgangreduzierung ist nicht mehr relevant und die Rückfahreigenschaften, sowie Segeleigenschaften bei mehr Wind sind beim Standardruder logischerweise erheblich besser. Aber für das Watt war das neue Ruder eine super Verbesserung. Dann noch schnell das Schmutzwasser abpumpen und los geht es Richtung Dokkum. Im Lauwersmeer können wir gut die Hälfte Segeln -erstmals seit langem. Wegen des starken und extrem böigen Windes nur im zweiten Reff und diversen Ausrollstufen des Vorsegels, aber Segeln! 

Die ca. 14 sm bis Dokkum sind das genußreiche Gegenteil zu gestern. Abwechslungsreiche Kanalseiten, blauer Himmel mit weißen Wolken, viel Sonne, trocken. Warm. Trotz des Motorens meistens gegenan bei dem stark böigen Wind fällt alles leichter und die Stimmung ist gut, obwohl wir auf dem Heimweg sind, der Urlaub also seinem Ende entgegen geht. Mal sehen, wie weit wir morgen kommen. Wir haben keinen Druck und können auch kleine Etappen fahren. 

Endlich wieder Sonne
Endlich wieder Sonne
Perfekter Liegeplatz in Dokkum
Perfekter Liegeplatz in Dokkum
Dokkum
Dokkum
Dokkum
Dokkum

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