Stürmisch unterwegs

Drei First 25.7 in Verfolgung
Drei First 25.7 in Verfolgung

Die angesagten 5- Bft stimmten auch dieses Mal. Trotz geschützter Lage des Liegeplatzes und Wind aus der Schutzrichtung waren die Böen so stark, dass der Windgenerator fleißig arbeitete und morgens der Nachstromverbrauch von Heizung und Kühlschrank schon wieder egalisiert war. An Segeln war nicht zu denken. Erst gegen Nachmittag ließ der Wind etwas nach. Bequemlichkeit des Stegdaseins oder noch Aufbrechen, das war hier die Frage. Wer gesteht sich schon gerne ein, bequemlich zu sein? Also rein in die Klamotten, weg mit dem Segelschutz und raus aus der Box. Kurz nach dem Liegeplatz schon das Groß im zweiten Reff gesetzt und los ging der Tanz. Sofort beschleunigt Boundless auf über 4 kn und dann schnell über 5. Wind von hinten, kein Vorsegel. Groß im zweiten Reff. Da kaum Welle ein wunderbares Vergnügen am Nachmittag! Ijsselmeer kam wegen Welle und Zeit nicht mehr  in Betracht, aber binnen hoch den Kanal Richtung Sneek geht immer. Kurz vor der Spannenburgbrug fahren 3 Charter-First 25.7 vor uns  von Sloten kommend in den Kanal Richtung Norden. Hinter der Spannenburgbrug setzen wir alle sofort Segel. Wie mit geheimer Absprache motort keiner. Wir haben nur mehr Mut und zücken zum 2. Reff im Groß noch das Vorsegel. Zwei der First haben nur das Vorsegel, eine das Fathead im Reff. Und kaum aus dem Windschatten der Bäume hinter der Brücke heraus erwischen wir den besseren Start. Ja, ich weiß. Ich würde nie im Traum daran denken, eine Schnitte gegen eine First 25.7 zu bekommen. Aber offensichtlich sind zwei Boote nur mit einer Person besetzt, nur eines mit zwei, und alle fahren defensiv. Zwei Boote sind bekanntlich eine Regatta. Wir bauen unseren Vorsprung ständig aus und lassen die Firsten immer weiter hinter uns. Ein bißchen Spass darf sein. Am Ende vom Kovoedermeer biegen diese allerdings dann nach Langweer ab, während wir nach Norden weiter sausen. Mehrere Male zeigt das GPS über 6 kn -6,3 in der Spitze. Gut, dass wir los sind. Sonst hätten wir diesen Spass nicht gehabt. Die Drücker sind allerdings in ihren Spitzen enorm und wir ständig mit der Grossschot am Arbeiten. Hinter der Brücke Uitwillingerga entschließen wir uns nach rechts ins Gebüsch abzufahren - an der Abkürzung ins Sneeker Meer sind direkt am Anfang mehrere geschütze Marrekrite-Liegeplätze. Zwei Motorboote haben sich das Naturerlebnis auch nicht nehmen lassen, damit sind wir zu dritt. Ein toller Nachmittag nimmt seinen genussvollen Abend. We love it. 

Am nächsten Morgen wachen wir kurz vor neun auf und beschließen,  nach dem Wasserkochen direkt zurück zu fahren. Der Wind ist etwas schwächer als am Vortag - 4-6 Bft. Da die Brücke direkt vor uns liegt, motoren wir die 10 Minuten dorthin. Hmmm, 9.25 Uhr und Doppelrot? Bei Öffnungszeit 9 Uhr??? Schnell müssen wir begreifen, dass die Zeitumstellung an uns vorbeigegangen ist. In Wirklichkeit ist es erst 8.25. Uhr. Also frühstücken wir gemütlich in der Morgensonne am Anleger vor der Brücke. 

Punkt 9 macht die Brücke auf und mit drei weiteren Booten passieren wir. Die anderen motoren, wir setzen sofort die Segel. Aber heute nur im ersten Reff. Mit vollem Vorsegel. So können wir durchsegeln, aber bei weitem nicht so schnell wie gestern. Das GPS bleibt bei meist 4,9 kn, nur selten steht mal die 5 vorne. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau - sind wir doch sonst froh, wenn wir die 4 kn vorne haben. 

Es ist ein wunderschönes erholsames Segeln. Wie immer mit ständigem Arbeiten an der Großschot - Boundless ist halt wie eine große Jolle. Und vermittelt gerade dadurch viel Spass. Wir haben den Motor nur für die Brücken und im Hafen, der Rest wird komplett gesegelt. Die DCX-Segel stehen trotz Ihres Alters von 4 und 5 Jahren (oder ist es schon ein Jahr mehr?) noch perfekt. Gerade die Fock trägt mit ihrem harten Profil dazu bei, dass wir deutlich höher an den Wind kommen, als vorher mit den originalen Dacronsegeln. Auf dem Brekken wird das wieder relevant. Aber auch da können wir segeln. 

Am Ende beginnt dann die Wintersaison - wir legen direkt in unserem gestern zugewiesenen Winterwasserliegeplatz im inneren Hafenbereich an. Holen unsere Festmacher vom alten Liegeplatz und sagen ihm Adoi. Im Winter wird der gesamte Steg abgerissen und neu gemacht, auch mit neuer Platzeinteilung. Wir sind gespannt.

Aber das Beste kommt bald: Freitag ist Feiertag, also ein Tag mehr zu Segeln. Vorfreude ist die schönste Freude.