Das erste Mal wieder am Boot

Es mag alles Zufall sein, aber das Schicksal hat schon seine Zeichen. Im Winter wurde unsere Steganlage abgerissen -Neuanfang hier. Dann der Tod von Isabella. Auch hier ein Neuanfang. Dann Corona - verzögert zum Boot, um Abstand zu finden? Dann ein weiterer schwerer Schicksalsschlag durch Tod Mitte April. Für mich klare Zeichen, mein Leben grundlegend zu verändern. Ein zügiges Reduzieren des Berufsalltags, um mehr Freiraum zu bekommen. Den auf dem Boot verbringen - das geht nur mit einem größeren Boot. Ich werde also das Boot, das Isabella und mich 10 Jahre treu zu wunderbaren Erlebnissen geführt hat, verkaufen. Damit bleiben Boot und Isabella in der Erinnerung immer positiv zusammen, ohne Ballast für die Zukunft zu sein. Umsehen werde ich mich nach einem Boot 10-11m lang, um dort wohnen und auch teilweise arbeiten zu können. 


Aber jetzt musste ich erst einmal zum Boot, um den Winterliegeplatz zu räumen -die Steganlage war bezüglich meines Liegeplatzes fertig. Da coronabedingt die Sanitäranlagen geschlossen sind, war mir klar, dass es nur ein kurzer Besuch werden würde. Aber der Motor, für die Wartung ausgebaut, musste wieder eingebaut werden. Dazu vorher der Einbautank geleert, damit kein alter Sprit den Vergaser belastet und zum Versagen führt - das hatten wir schon. 

Der Weg zum Boot war zunächst von zwei Schildern an der Autobahn kurz vor Holland geprägt: "Reise nicht notwendig? Dann bleib zuhause" Eine klare Ansage. Mit schlechtem Gewissen fahre ich weiter. Je näher ich zum Boot komme, desto schwerer wird es für mich. Aber ich habe bewusst alle Mitfahrangebote ausgeschlagen, um alleine die erste Trauer zu bewältigen. Die ersten zwei Stunden am Boot sind extrem schwer, der Gang durch die Anlage, überall begleitet mich die Erinnerung. 

Aber es hilft nichts. Das Schicksal meint es wenigstens insoweit gut mit mir, dass der Motoreinbau extrem perfekt und schnell gelingt. 

Ach ja, mein Winterliegeplatz war eigentlich geschützt, zudem mit Seitensteiger. Mit dem Heck zum Steg, um den Motor leichter von und an Bord heben zu können. Hier hatte sich trotzdem der hintere Festmacher an der Ecke von Steg und Seitensteiger verabschiedet. Eigentlich kein Problem, da auch so nichts passieren konnte, das Boot war mit Fendern und Spring gut abgesichert. Aber irgendjemand meinte wohl, helfen zu müssen. Ein Segler kann es nicht gewesen sein. Er hat dann nicht die Spring genommen und  nach hinten gelegt. Er hat auch nicht den über der Reling aufgeschossenen Rest der Spring abgeschnitten, der mehr als üppig ausgereicht hätte, um das Boot hinten wieder anzubinden. Nein, er hat die Großschot zerschnitten!!! Mir fehlen die Worte. Kaputthelfen nennt man das dann wohl. Und ein teurer Spass zudem. Und irgendjemand meinte, den Stecker der Solaranlage abziehen zu müssen. Super. 

Ansonsten war alles in bester Ordnung, auch kein Schimmel im Boot, obwohl wir erstmals die Matrazen an Bord gelassen hatten, weil wir ja im Winter das Boot auch besuchen wollten... 

Es war extrem heiß und ich habe mich doch entschlossen, zu übernachten. WC ist ja kein Problem, Wasser ist am Steg bereit, Strom auch. Gestern dann eine grobe Reinigungsaktion außen. Dann eine kurze Überlegung, Motor an und Leinen los. Ich will ein wenig auf den Brekken. Das Groß kann ich zwar nicht benutzen, weil die Großschot ja zerschnitten ist, aber ich will sehen, wie es so geht. Auch hier sind die ersten Minuten extrem belastet. Aber dann bleibt mir nicht viel Zeit zum Trauern. Die Geschwindigkeit nur unter Fock geht von 1,8-2 kn binnen kurzem auf 5,5 kn. Welle kommt auf, Schaumkronen bilden sich. Ich will am Ende vom Brekken wenden, um zurück zu kreuzen, aber der Wind ist jetzt so stark, dass der hohe Aufbau so viel Widerstand bietet, dass das Boot die Wende nur mit der Fock nicht schafft. Also Motor an - das geht sofort. Fock eingerollt und zurück motort. Kurz nach der Wende dann auf Kanal 1 die Unwetterwarnung für 6 Bft. Da habe ich mir ja genau den richtigen Zeitpunkt ausgesucht. Aber da der Liegeplatz durch Bäume von der Hauptwindrichtung geschützt ist, war das Anlegen kein Problem. Und es war gut, die erste kleine Fahrt nach Isabella gemacht zu haben. 

Ich werde sehen, dass ich das Boot jetzt verkaufe, aber bei dem neuen Boot dann Logo und Namen behalte. Bis dahin werde ich noch ein wenig Segeln, sobald Corona es wieder zulässt. Ab 1. Juli sollen ja die WC's wieder geöffnet werden dürfen nach aktuellem Stand. Bis dahin werde ich mich zurück halten.