Der Pinnenpilot -fleißiges Helferlein

Es gibt Dinge, die machen das Segeln leichter oder sind in manchen Situationen unverzichtbar. Dazu gehört ein Pinnenpilot. Unverzichtbar, wenn man alleine unterwegs ist, das Leben erleichternd, wenn man zu zweit unterwegs ist. Wer einmal bei glühender Hitze quer über das Ijsselmeer musste, dann natürlich kein Wind da ist, der ist dankbar über so eine Hilfe, die einen selbst leichter Schatten findend genießen lässt, statt stundenlang in der Sonne an der Pinne zu stehen.

Typen gibt es viele, ich habe mich nach langem Überlegen für eine anspruchsvollere Variante, den Evo 100 von Raymarine entschieden. Mit eigenem Bediendisplay und der Möglichkeit der Integration in das Raymarinenetzwerk und Plotterbedienbarkeit war das längerfristig die sinnvollere Variante, wenngleich auch deutlich teurer, als ein normaler Autopilot mit "all-in-one"-Design.

Das Problem bei der Viko 27 DS ist hier, dass es an normalen waagerechten oder senkreten Flächen fehlt, um die Lagerpunkte zu bieten, an denen der Pinnenpilot angesteckt wird. Die Vorteile der Viko, leichtes Einsteigen über das offene Heck, der Schwung der Heckbänke an der entscheidenen Stelle, das alles führt zu individuellen Befestigungsnotwendigkeiten. Zumal jeder Hersteller die optimale Befestigungsentfernung zum Drehpunkt des Ruders angibt, insofern wirklich zentimetergenaue Positionierung notwendig ist. Daher habe ich ein Jahr lang überlegt, wo und wie die Befestigung erfolgen könnte. Leider war es dann ein Ort, der genau im Überschneidungsbereich mit dem Tankeinfüllstutzen lag... Aber irgendetwas ist ja immer. Die nächsten Fotos zeigen die Ausführung mit eingestecktem Pinnenpiloten.

Die Halterung selbst muss ich im nächsten Jahr einmal näher fotografieren, nachfolgend ein Bildausschnitt, bei dem sie nicht im Vordergrund stand, aber schon gut zu erkennen ist. Der Teil, auf dem die Halterung von Raymarine aufgeschraubt ist, besteht aus zwei ein V bildendes Flacheisen, die zur Verstärkung am offenen Ende mit einem breiten Steg verbunden sind. Dieses Edelstahlteil ist mit 8er-Schrauben im GfK befestigt, da direkt darunter die Backskiste ist, eine leichte Übung. Den Winkel zu bestimmen, war für mich der schwierigste Teil.

Der Stromanschluss liegt auf dem nachfolgenden Foto am/unter dem Ende des backbordlichen Achterfestmachers.

An der Pinne ist ein gebogenes Edelstahlflacheisen aufgeschraubt -hier kann die werksseitige Versteifungsplatte genutzt werden.

Bedient wird der Pinnenpilot über eine eigene Anzeige von Raymarine, die ich mittlerweile im selbstgemachten Instrumentenhalter auf dem Schiebeluk integriert habe. Oben auf dem ersten Foto von hinten zu erkennen. Damit immer leicht vom Cockpit zu sehen und zu bedienen, auch wenn man alleine ist und die Pinne kurz hält, bis man auf den Aktivierungsknopf drückt.

Dem Instrumentenhalter und damit der Navigationselektronik wird demnächst noch ein eigenes Kapitel gewidmet.

 

Diese Lösung erfüllt alle Ansprüche, die ich gesucht habe: Der Pinnenpilot kann vor Fahrtbeginn in die Halterung gesteckt, elektrisch angeschlossen und dann seitlich an das vordere Rohr des Heckkorbs mit einem Gummi befestigt werden, so dass er jederzeit einsatzbereit ist. Dann einfach Gummi ab, den Autopiloten an die Pinne schwenken und dort in den Pinn an der dortigen Halterung aufsetzen. Damit ist das Ruder fixiert. Vorsichtig die Pinne auf den gewünschten Kurs einstellen und dann kurz auf den Aktivierungsknopf am Bedieninstrument drücken. Fertig.

 

 

Der Bausatz von Raymarine ist einfach zu installieren. Er beinhaltet ein komplettes Netzwerk von Raymarine, auch wenn ohne weiteren Ausbau nur der Netzwerkcomputer/Kurscomputer, das Anzeigeinstrument, die Außensteckdose für den Autopiloten und der mit enthaltene Kreiselkompass installiert und verkabelt werden. Die Kabel im Bausatz sind farbig einfach gekennzeichnet, nur der Stromanschluss an das Gerät muss noch gelegt werden. Die Länge der Kabel reicht für eine Installation des Anzeigeinstrumentes an der Seite des Cockpits aus, wo ich vor der Instrumentenbrücke das Gerät auch hatte. Der Kreiselkompass wird in der Backskiste an der Trennwand zur Achterkabine fest geschraubt.

Die Installation ist ohne große Fähigkeiten leicht selbst machbar und sollte auch bei wenig Übung in 3-4 Stunden geschehen sein, wenn alle Teile da sind (s.o., insbesondere die Metallhalter für den Pinnenpiloten). Am schlechtesten beschrieben ist der Anschluss für die Außensteckdose, weil hier die Kennzeichnung der Kabel an dem Steckerteil selbst mäßig ist. Den Netzwerkcomputer kann man einfach in der Achterkabine innen an der Trennwand zur Backskiste installieren, dort ist er bestens geschützt und leicht zugänglich. Die Kabelwege sind kurz und die Installation ohne zu große Verrenkungen leicht möglich.

Fotos hierzu folgen nächstes Jahr, wenn ich wieder an Bord war.

 

Im Gegensatz zu anderen Geräten ist auch die Inbetriebnahme einfach: Es sind keine großen Probekreise oder -figuren zu fahren. Zunächst wird im Hafen manuell der Ausschlag des Pinnenpiloten kalibriert, dann mit einer vorgegebenen Geschwindigkeit (ich meine 2,5 kn) eine Strecke gerade aus gefahren, das wars. Verblüffend einfach und doch es funktionert!

 

In der Praxis hat sich der Pinnenpilot hervorragend bewährt. Auch bei viel Ijsselmeerwelle oder hartem Böen ist er bisher nicht "ausgestiegen". Mehr Probleme macht wenig Wind und damit wenig Fahrt im Boot. Wenn der Ruderausschlag mangels Wind die notwendige Korrektur nicht schafft, ist bei zu großer Abweichung vom eingegebenen Kurs Schluss und das Warnpiepen, das beim automatischen Abschalten ertönt, zeigt die Notwendigkeit manuellen Eingreifens an. Unter Motor ist der Autopilot sowieso völlig unproblematisch.