Umwelt-Bewusst-Sein

Hier seien ein paar Anmerkungen erlaubt, die jeder für sich anders sehen kann. Aber Segeln ist für meinen Anspruch eine besondere Verbindung mit der Natur, die dieser höchsten Respekt angedeihen lässt. Jeder Eingriff wird auf ihre Auswirkungen auf die Natur geprüft und bei negativen Auswirkungen soweit möglich unterlassen.

Ja, der Bau eines Bootes ist mit Umweltbelastung verbunden, egal ob Metall-, Kunststoff- oder Holzboot. Das ist mir bewusst. Das ist der Ausgangspunkt, der einfach akzeptiert werden muss. Hier kann man schon versuchen, kritisch zu sein, hat aber nur relativ geringen Einfluss, wenn man nicht vollständig verzichten will.

Antifouling ist das nächste Thema, das extrem umweltbelastend ist. Da ich fast ausschließlich im Süßwasser unterwegs bin, erneuere ich mein Antifouling nicht jährlich. Boundless bleibt mindestens jeden zweiten Winter im Wasser und erhält dann im Sommer auch kein neues Antifouling, was bei mir sowieso selbsterodierendes Weichantifouling ist. Nach dem Auskranen muss es für die nächste Saison nur erneuert werden, weil das Abspritzen des Rumpfes mit dem Hochdruckreiniger das Antifouling mit abträgt. Ich war einmal zwei Winter in Folge im Wasser -nach Abschluss der dritten Saison sah das Antifouling nicht anders aus, als nach einer Saison im Wasser. Hier kann man also durch Wahl von Antifouling und Strecken des Erneuerungsintervalls die Umwelt entlasten.

Reinigungsmittel sind ein besonders kritisches Thema. Hier achte ich darauf, nur biologisch vollständig abbaubare Mittel zu nehmen. Das gilt für Boot (was in der Regel einmal zu Beginn der Saison gründlich gereinigt wird, auf außen bezogen), aber auch für Wäsche und Geschirr. Seit diesem Jahr nehme ich (auch Zuhause) zusätzlich nur noch Mittel mit einem der gängigen Umweltzertifikate. Die gibt es von verschiedenen Firmen, ich greife in der Regel auf Produkte der Firma Sonett zurück (www. sonett.eu), die bei mir im Ort in fast der kompletten Produktpalette erhältlich sind. Das ist bequem und gut für alle: Mich, weil sich die Mittel auch zu meiner Haut positiv verhalten, und die Umwelt. Der Preis ist auch kein Argument dagegen: Bei den geringen Mengen, die man an Bord verbraucht, spielt eine Preisdifferenz keine wirkliche Rolle, verglichen mit dem, was man sonst für das Boot ausgibt. Spülmittel kostet dann für 500 ml eben 3 €, aber ich brauche auch nur eine Flasche pro Saison, wenn überhaupt.

Körperhygiene habe ich ebenfalls komplett auf zertifizierte Naturprodukte umgestellt -zu Preisen, die nicht über den Kosten herkömmlicher Produkte liegen, wenn man bei Großketten wie DM oder Roßmann kauft, und deutlich darunter, wenn man bekannte Label nutzt. Anfangs kritisch habe ich schnell bemerkt, wie positiv mein Körper auf diese reagiert -sei es bei Shampoo oder Körpercremés. Dieses Jahr werde ich auch Sonnencreme auf Naturbasis testen.

Dennoch ist das Beste, wenn möglichst wenig ins Wasser gelangt. Daher spülen wir fast ausschließlich in den Anlagen in Häfen, und wenn an Bord, dann in einer Schüssel, die anschließend ins Klo ausgeleert wird. Warum ins Klo? Ganz einfach: Von dort aus geht es in den Fäkaltank, der wiederum über die Stationen abgepumpt dann nicht im Wasser entsorgt, sondern einer Kläranlage an Land zugeführt wird. Jeder kleinste Schritt ist halt wichtig, damit man die Natur, wie man sie sehen will, möglichst lange genießen kann.

Wenn man sich damit beschäftigt, ist man erstaunt, wie viel Naturprodukte es gibt. Und wenn man diese auch zu Hause benutzt, entlastet man die Umwelt noch mehr.

Tatsächlich liegen hier viele Themen, denen schon bei Konstruktion der Boote noch viel zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet wird. Selbst Großserienboote mit 33-40 Fuß haben selten wirklich große Fäkaltanks. Und das Thema Abfallenttrennung ist ein echtes Platzproblem, weil so überhaupt nicht vorgesehen. Aber auch hier ist es eine Frage des Wollens, dann geht auch das.

Das Ziel muss sein, möglichst NICHTS ins Wasser gelangen zu lassen. Dazu die Energie vollständig aus der Natur beziehen, das ist dann Garant für einen harmonischen Umgang mit der Natur und lässt diese unbeschwert genießen.

Umwelt-Bewusst-Sein erstreckt sich natürlich auch auf den Umgang mit der Natur sonst. Abstand zu Brutgebieten/Vogelschutzgebieten/Tieren an sich. Vermeidung unnötigen Lärms. Motoren nur, wenn unumgänglich. Es ist aber eigentlich nichts anderes, als das Zeigen normalen Respekts vor anderen, den man auch im Alltag haben sollte.