Windenergie -Rutland W913

Da ich immer ein offenes Auge auch für Gebrauchtangebote habe, um Dinge auszutesten, bin ich letztes Jahr günstig zu einem der bekanntesten Windkraftgeneratoren gekommen: Einem Rutland W913. Das Problem: Die Anbringung an Bord! Die fast 12 kg müssen so angebaut werden, dass sie zu Wartung und Inspektion zugänglich sind, aber ein versehentliches Berühren mit dem Kopf ausgeschlossen ist. Ein Mast musste also her. Nach ausgiebigem Studium von Katalogen und Zubehörangeboten stand schnell fest: Hier hilft nur ein Schlosser mit Einzelanfertigung. Damit etwas Dauerhaftes entsteht war dann V4A ein Muss. Das Maß definiert der Rutland, weil die Halterung millimetergenau passen muss. Damit keine unnötigen Löcher enstehen, habe ich die (verschlossenen) Löcher der AB-Halterung wieder belebt. Was aber tun, damit der Halter auch bei einem Modellwechsel noch passt? Zweiteilen: So muss man nur das obere kurze Stück, dass auf den Generator abgestimmt ist, bei Modellwechsel anpassen oder austauschen!

Die Seitenstreben sind aus dem Zubehör für Bootsverdecke/-sprayhoods etc. Eine feste Strebe zur Maststütze am Heck, eine zum Heckkorb, jeweils 25 mm, damit die Optik zu diesen gewahrt bleibt, weil das das Standardmaß an der Viko ist. Die Streben gibt es ansonsten auch in 20 und 22 mm. Damit diese montiert werden können, hatte ich an die Halterung von der Schlosserei beidseitig halbrunde Rundeisen anschweißen lassen.

Das Projekt wurde vor dem Sommerurlaub geplant, die Halterung war aber erst Ende September fertig. Dennoch konnten schon einige wichtige Erfahrungen gemacht werden:

Bei Motorfahrt und ab 4 Bft lädt der Generator so viel, dass alle Instrumente und der Pinnenpilot egalisiert werden -also 4-5 A! Das ist das, was erhofft war. Wenn man am Liegeplatz ist, lädt der Generator also mehr, als Kühlschrank und kleiner Verbraucher an Bord wie Licht (alles LED) verbrauchen, sobald ca. 3 Bft erreicht werden. Die Batterie wird dann also schon aufgefüllt.

Unter 3 Bft findet nennenswerte Ladung nicht wirklich statt. Da wir im Urlaub 2017 auf Ameland und Schiermonnikog gute 5 Bft + hatten, wären wir hier völlig ohne Landstrom ausgekommen!

Beim Segeln hat sich eine Überraschung ergeben: Die Leistung ist extrem davon abhängig, wie viel Seegang ist! Je mehr seitliche Bewegungen, desto schwächer die Ladung! Denn durch das Gewicht des Generators dreht sich dieser immer nach Lee! Dadurch dreht er sich regelmäßig aus dem Wind und verliert somit erheblich an Effektivität. Wenn man es durchdenkt, ist es logisch, aber für mich war es schon überraschend. Er pendelt dann nach Durchlauf der Welle oder Bö wieder zurück. Aber erst dann nimmt er wieder Fahrt auf und lädt. Die Ladung ist also sehr unregelmäßig und extrem geringer, als wenn das Boot möglichst waagerecht bleibt, wei bei Motorfahrt. Das Schaukeln in Längsrichtung beeinträchtigt weniger.

 

Vibrationen: Immer gefürchtet, eine vor der Installation große Unbekannte. Wie höre ich den Generator oder spüre ich ihn gar im Boot? Vorweg: Ich habe oben am Halter, wo das kurze Stück mit dem Windgenerator aufgeschraubt ist, auf eine aufwändige Entkoppelung testweise verzichtet. Nur unten habe ich den Halter über Gummipuffer an das Heck geschraubt. Ich glaube aber nicht, dass das große Wirkung hat.

Vorher hatte ich schon gelesen, dass je mehr Flügel ein Generator hat, desto ruhiger sein Lauf ist. Der W913 hat fünf Flügel und läuft definitiv sehr leise. Vibrationen sind an Bord auch bei 5-6 Bft nicht wahrnehmbar. Aber ab 4-5 Bft + wird das leise Surren etwas lauter. Allerdings nur, wenn man genau hin hört. Ansonsten wird es von den normalen Windgeräuschen übertönt.

Diese Erkenntnis war eine große Erleichterung, den negative Auswirkungen wie Vibrationen an Bord können extrem beeinträchtigend sein. Insofern habe ich bei dem W913 intuitiv zufällig richtig gegriffen.

Wie kommt der Strom vom Generator in die Batterie? Über einen Laderegler! Nie ohne, damit Spannung und Ladungskapazität mit der Batterie in Einklang gebracht werden. Hier kocht jeder Hersteller sein eigenes Süppchen. Bei meinem war kein Regler dabei, dieser ist aber neu noch problemlos für kleines Geld zu bekommen. Er verfügt zudem über zwei LED: Eine zur Kontrolle des Anschlusses an die Batterie und eine zur Ladungskontrolle. Da der Regel bei mir aber im "Kofferraum" unter dem Niedergang unsichtbar untergebracht ist, erfolgt die Kontrolle einfacher über den Batteriemonitor.

Der Regel bietet zwar auch einen Solarausgang, der aber nur einfach gehalten ist (kein MPPT) und zudem eine Zwischendiode erfordert, also von mir nicht genutzt werden wird.