Bordfahrräder? Strida!

Fahrtensegeln heißt auf Entdeckung gehen. Das gilt für den Weg irgendwohin, aber auch für die Orte, die man besucht. Da ist ein Fahrrad dann sehr hilfreich, um den Radius erheblich zu vergrößern. In Holland eigentlich kein Problem -Fahrräder kann man fast überall mieten. Aber schöner ist es doch, wenn man unabhängig von Öffnungszeiten und Angebot das perfekte Fahrrad immer dabei hat. Daher haben wir uns auch schon länger nach Bordfahrrädern umgesehen.

Wer ein normales Boot mit großen Backskisten hat, hat es einfach. Die Auswahl an Klappfahrrädern ist groß und wird im Wesentlichen durch den Preis bestimmt. Von einfachen No-Name-Produkten bis zu Brompton & friends kann man hier eine gute Auswahl treffen. Das Problem für uns: Die Klappfahrräder falten sich ziemlich quadratisch. Und wir haben bei uns keinen Backskiste, die so ein Format einladen lässt. Auch die Tür zur Achterkabine ist zu schmal, um so ein Paket dort unterzubringen.

Dann habe ich eines Tages bei unserem Segelzubehörgeschäft in Düsseldorf an der Wand ein Strida gesehen. Eine völlig eigenartige, dreieckige Erscheinung. Sowas macht neugierig. Eine kurze Problefahrt, ein paar Wochen überlegen, dann war die Entscheidung gefallen. Ein Strida soll es sein.

Wie Ihr an dem Foto seht, haben wir nach kurzem Test ein weiteres gekauft.

Sofort könnt Ihr erkennen, dass es eine viel stabilere Konstruktion ist, als ein normale Klappfahrrad. Weil eben keine statisch relevanten Teile geteilt werden. Zum Klappen wird die vordere Verbindung des unteren Querrahmens (wo die Pedale sind) nach oben heraus gezogen. Dann wird an dem oberen Gelenk, wo Lenker und Sitzstange aufeinander treffen, die Lenkerstange (mit dem Vorderrad) nach hinten neben die Sitzstange gezogen. Das hält dann magnetisch zusammen. Dann noch die Stange mit den Pedalen dabeneben gelegt -das ist selbstklemmend vorgesehen. Fertig.

Das ist nicht ganz leicht zu beschreiben, geht aber sehr gut. Und wie Ihr oben seht: Keine tragenden Teile werden unterteilt. Das gibt ein extrem festes und sicheres Fahrgefühl. Wenn Ihr mehr über den Mechanismus sehen wollt, einfach die Firmenwebsite besuchen: www.strida.de.

Diese einfache Idee muss zum Funktionieren mit weiteren Ideen gekoppelt werden, die untypisch sind. Dazu gehört der Sitz, der einfach auf der Sitzstange verschoben werden kann. Das klappt super und bietet für uns ideale Sitzposition.

Strida ist nicht billig, aber qualitativ hochwertig. Die Scheibenbremsen sind super. Der (serienmäßige) Gepäckträger zeugt davon, dass hier nachgedacht wurde: Die untere Ebene ist nicht parallel zur Straße, sondern nach vorne geneigt. So fällt viele nicht heraus, auch wenn es nicht fest gebunden ist. Ein 5l-Benzinkanister passt hier hervorragend. Oder Getränke-Tetra-Packs.

Strida ist rundum durchdacht. So gibt es auch keine Antriebskette, die alles verschmutzt. Strida verbaut einen Riemenantrieb. Wir können aus Erfahrung sagen: Das ist super sauber.

Wir haben die Variante mit 18"-Antrieb. Zuerst kritisch gesehen, weil ohne Gangschaltung. Für die drei Gänge war mir der Mehrpreis zu groß und ich stehe eher auf unkomplizierte und robuste Gegenstände. Wir haben es nicht bereut. Selbst die Wege an und auf den Dünen in Ameland und Schiermonnikoog haben uns nie einen Gang vermissen lassen. Die Übersetzung ist sehr gut gewählt.

Das einzige, das Strida nicht hat, ist Licht. Aber hier gibt es für kleines Geld batteriebetriebene Lichter, wenn man will.

 

Strida passt bei uns perfekt durch Niedergang und Achterkabinentür. Aus Wachstuchtischdeckenmaterial ist schnell eine günstige Tasche genäht und so Strida und Umfeld gut geschützt.

 

Der Aufbau ist derart schnell, dass wir auch für kurze Wege zwischendurch Strida aufbauen und nutzen. Selbst wenn wir bei uns im Hafen bleiben ist Strida für den kleinen Ausflug zwischendurch ein super Begleiter. Umweltschonend und viel Freude bereitend.

 

Für mich hat Strida noch weiter Vorteile: Mit strapaziertem Rücken hat man so in der Stadt immer eine super Sitzmöglichkeit zur Entlastung. Bei weniger Platzbedarf im Straßenverkehr, als ein normales Fahrrad.

 

Strida ist aber gewöhnungsbedürftig. Das soll nicht verschwiegen werden. Denn bei Strida sitzt man mit dem Lenker extrem nah und ungewohnt am Drehpunkt des Fahrrades. Es dürfen nur kleine Bewegungen mit dem Lenker gemacht werden, sonst ist ein Sturz vorprogrammiert. Daher ist Stridafahren auf den ersten Metern/Kilometern mit besonderer Vorsicht zu empfehlen. Das spielt sich schnell ein, soll aber nicht verschwiegen werden. Für uns mittlerweile kein Problem. Für den einen oder anderen aber sicher ein schwierigeres Thema. Einfach mal ausprobieren. Wenn es passt, will man kein anderes Klappfahrrad mehr.